Atlanticlux – gewinnt nicht immer

Die luxemburgische Atlanticlux S.A. bietet auch in Deutschland Fondspolicen an, auf deren Sinnhaftigkeit an dieser Stelle nicht eingegangen werden soll, die sich aber durch eine Besonderheit auszeichnen – es handelt sich um sog. „Nettopolicen“, d.h., die Beiträge enthalten keinen Provisionsanteil. Stattdessen muss der Kunde eine sog. „Vermittlungsgebührenvereinbarung“ unterzeichnen, in der er sich verpflichtet, die Provision in deutlich vierstelliger Höhe direkt an die Vermittler zu zahlen.

Der BGH hat in mehreren Urteilen entschieden, dass eine solche Vertragskonstruktion zulässig und der Kunde zur Zahlung der Provision verpflichtet sei (s. z.B. III ZR 287/04). Das LG Schwerin hat in einem aktuellen Urteil (2 S 40/07 vom 28.o8.2007) nun einen anderen Ansatz gefunden und die Klage auf Zahlung der Provision zweitinstanzlich abgewiesen:

Nach seiner Auffassung kann u.a. die Frage der Zulässigkeit der Vermittlungsgebührenvereinbarung dahinstehen, weil jedenfalls die Vermittlerin „ihren Lohnanspruch in entsprechender Anwendung des § 654 BGB verwirkt hat“ und sich das Handeln ihrer Untervermittlerin zurechnen lassen müsse. Sie habe in schwerwiegender Weise „gegen die ihr obliegenden Treuepflichten verstoßen und damit dem Interesse des Beklagten zuwidergehandelt“:

„Der Makler verwirkt seinen Lohnanspruch … auch dann, wenn er durch schwerwiegende vorsätzliche oder grob leichtfertige Verletzung wesentlicher Vertragspflichten des Interessen seines Auftraggebers in erheblicher Weise zuwiderhandelt.“

Die Vermittlerin wäre als Versicherungsmaklerin verpflichtet gewesen, den Bedarf des Beklagten zu ermitteln „und dann auf Alternativprodukte oder andere Anlageformen hinzuweisen und über deren Vor- und Nachteile aufzuklären“, was der Beklagte bei der nicht unerheblichen Vermittlungsprovision auch erwarten durfte. Stattdessen habe sie diesem lediglich die von ihr vertriebene fondsgebundene Lebensversicherung der Atlanticlux angeboten. Damit habe sie „gegen die fundamentalen Pflichten eines Versicherungsmaklers verstoßen, der sich m Gegensatz zum Versicherungsvertreter ausschließlich an den Interessen des Versicherungsnehmers zu orientieren hat.“

Da schon aus diesem Grund der Provisionsanspruch entfallen sei, käme es auf die weiteren Einwendungen des Beklagten nicht an.

P.S.: Update o1.o4.2010 (trotzdem kein Aprilscherz): S. auch die aktuelle Entscheidung des AG Bensheim (6 C 960/09 vom 25.o3.2010).

P.P.S. Das Thema Atlanticlux und insbesondere Risiken und Nebenwirkungen der Vermittlungsgebühren haben sich seither zu einem Schwerpunkt hier im Blog gemausert. Eine Liste aller Artikel finden Sie hier:

http://ra-melchior.blog.de/tags/atlanticlux

210 Gedanken zu “Atlanticlux – gewinnt nicht immer

  1. ich bin, nachdem ich mal wieder einen Blick auf mein Konto gewagt habe und die Abbuchung der FWU gesehen habe, wie so oft in Panik ausgebrochen und letztendlich hier gelandet.
    Leider gibt es so viele Beiträge und Fragen, auf die gar nicht eingegangen wurde. Gab es denn nun schon positive Ergebnisse?

    Meine Geschichte ist folgende:
    Meine Schwester arbeitete damals bei Medius in München und vermittelte mir 2 Verträge.
    Ich bin der Versicherungsvertreterin nie persönlich gegenübergesessen, es wurden mir Verträge zugeschickt und am Telefon ein bisschen was erzählt.
    Ich muss dazu sagen, dass ich damals 18 Jahre alt war und mir bis dato noch nicht viele Gedanken gemacht hatte. Als meine Schwester dann damit ankam, dachte ich mir, da sie dort ja arbeitet, ein sicheres Angebot zu erhalten. Inzwischen bin ich auch erwachsener geworden und es würde mir soetwas nicht nochmal so einfach passieren.
    Auf jedem Fall habe ich 2 Verträge unterzeichnet. Einmal bei Atlanticlux Lebensversicherung und damals noch eine Arbeitsunfähigkeitsversicherung, bei dir mir versichert wurde, sollte ich sie nicht in Anspruch nehmen, bekomme ich alles Geld zurückgezahlt. Als ich nach 1-2 Jahren merkte, dass das nichts taugt, habe ich die Versicherung gekündigt und natürlich nur einen Bruchteil des Gelds zurückerhalten.
    Ich muss sagen, dass mir während dem Telefonat kaum Auskunft gegeben wurde und mir die Bedingungen und Verträge auch nicht wirklich erklärt wurden. Über eine Provision, gerade in der Höhe!, wurde ich nicht aufgeklärt.
    Ich zahle nun seit 5 Jahren monatlich 50 € ein, bisher sind von all dem Geld 363,34 € bei meiner Lebensversicherung eingegangen! Den Rest hat Medius für eine mehr als fragwürdige Vermittlung einkassiert.

    Ich war damals 18 Jahre und somit volljährig, drum werde ich wohl kaum eine Möglichkeit haben dagegen vorzugehen. Jedoch ist das ganz sicher nicht mit rechten Dingen zugegangen.
    Ich frage mich oft, was ich nun damit machen soll, die Versicherung läuft bis 2052! Ich habe oft darüber nachgedacht zu kündigen, dann wäre alles Geld bis dato hin. Jedoch weitere 41 Jahre 600 €/Jahr investieren bei unsicherem Ende….

    Meine Schwester, die die selbe Versicherung abgeschlossen hat, hat bereits eine Beratung in Anspruch genommen, damals wurde ihr dazu geraten die Lebensversicherung beizubehalten. Deshalb habe ich sie auch noch.

    Vielleicht hat ja jemand einen Rat.
    Sollte ich die Versicherung kündigen?
    Gibt es eine Chance das bereits investierte Geld zurückzubekommen?

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    • Davon ausgehend, das die Lebensversicherung noch besteht, dürfte es sich im Schadensminderungsinteresse empfehlen, diese beitragsfrei zu stellen, anstatt zu kündigen. Wenn Sie bereits seit 5 Jahren Vermittlungsgebühren zahlen, dürfte die Ratenzahlung von 60 Monaten bald erledigt sein, oder?

      Die Vermittlungsgebühren dürften sich jedenfalls nicht ohne Rechtsstreit zurückholen lassen – was natürlich immer mit einem Risiko verbunden ist (und voraussetzt, das die damalige Vermittlerfirma noch existiert). Es sind aber schon diverse Verfahren zu Gunsten der Kunden ausgegangen.

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    • Natürlich beibehalten und für Fragen den Berater kontaktieren oder bei der Firma nach einem verlangen!

      Und lieber Herr Anwalt – dass SIE pauschald dieses Produkte schlecht machen und diese Plattform als Werbemöglichkeit nutzen ist eine Schweinerei!
      Sie verdienen schließlich immer Ihr Geld – egal ob gewonnen oder verloren!!!

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  2. Danke für die schnelle Antwort!
    Ich gehe davon aus, dass die Vermittlungsgebühr ab diesem Jahr beglichen ist.
    Ist denn zu erwarten, dass bei der Lebensversicherung kein Gewinn für mich abfallen wird? Wie gesagt war meine Schwester bei einer unabhängigen Beratung, vor 1-2 Jahren war das, da hieß es das Ganze weiterlaufen zu lassen.
    Also soweit ich weiß, existiert Medius in München noch.
    Rechtsstreit wird schwer für mich, da ich noch Studentin bin und kein eigenes Einkommen habe.

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  3. Hallo zurück,

    um über die Gewinnaussichten seriöse Angaben machen zu können, fehlen mir ausreichende zuverlässige Informationen. Wahrscheinlich aber fällt der finanzielle Schaden bei einer Kündigung zum jetzigen Zeitpunkt noch höher aus. Daher dürfte eine Beitragsfreistellung das geringere Übel sein.

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    • So so, Herr Anwalt,

      fehlt nur noch, dass Sie jetzt einen besseren Vertrag anbieten könnten. Zur Rechtsberatung kommt jetzt noch die Versicherungsberatung? Sie wissen, dass Sie dafür auch eine Genehmigung der IHK brauchen.

      Habe aber schon länger den Eindruck, dass in Ihnen ein Strukki stecken könnte.

      Grüße
      Herr Kaiser

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  4. Ersteinmal danke für die schnelle antwort!

    aber wenn ich sie beitragsfrei stelle, dann ist das geld doch ganz sicher ganz weg. ich hab halt irgendwo noch hoffnung, dass dabei was rauskommt. wie gesagt war meine schwester bei einer beratung, die davon abriet die versicherung zu kündigen.
    ja, die vermittlungsgebühren müssten mit diesem jahr abbezahlt sein.

    ich bin studentin und habe kein festes einkommen. ein rechtsstreit wird deshalb schwer für mich. ich ärgere mich aber sehr, da ich ein so leichtes opfer war. ich frage mich auch, wie sich sowas vor gericht beweisen lässt. ich mein, dass ich dieser frau nie persönlich begegnet bin, spricht wohl schon für sich. aber wie soll ich beweisen, dass ich über gewisse punkte nicht aufgeklärt wurde? wahrscheinlich hab ich genau unter sowas meine unterschrift gesetzt, da das telefon genau so ablief. ich habe da und dort zu unterschreiben und dann ist alles gut.
    das firma existiert noch, Medius in München. Sagt zumindest das internet.

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  5. guten abend

    ich hab auch ein kleines problem und zwar hab ich heute post vom anwalt bekommen das die rima finanzdienstgmbh von mir 2590 euro haben wollen.

    hab im september 2009 den scheiss abgeschlossen und paar monate bezahlt. dann konnte ich mir das nicht mehr leisten weil ich halbes jahr in kurzarbeit war und nicht mehr dran gedacht und jetzt trudel der brief rein.

    weiß da einer rat? soll ich zum anwalt gehen. weil den scheiss haben jetzt schon einige freunde von mir in den letzten jahren bekommen.

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  6. Hallo!

    Ich wurde vor ein paar Wochen auf der Strasse von Medius-Mitarbeiterinnen angesprochen, ob ich an einem Nebenjob interessiert wäre.
    Gleich beim ersten Treffen wurde mit der „Schulung“ begonnen.
    Beim dritten Treffen wurde mir aufgeschwatzt, einen Bogen auszufüllen (‚Wie praktisch, du kannst gleich an dir selbst üben!‘), bei dem – laut der Mitarbeiterin- geprüft werden soll, ob ich für eine Fondsgebundene Lebensversicherung (soweit ich das verstanden habe) in Frage komme.
    Unter anderem musste ich angeben:
    Adresse von mir und meinem Mann, Beruf, Einkünfte, wie hoch der Betrag sein soll den ich monatl. investieren will, Bankverbindung und Unterschrift.
    Mir kam komisch vor, dass ich da schon gleich meine Bankverbindung angeben musste, habe aber leider trotzdem unterschrieben ohne alles Kleingedruckte zu lesen.
    Schon auf dem Weg nachhause wurde mir klar, dass ich einen grossen Fehler begangen habe, und habe gleich am nächsten Tag per Einschreiben einen Widerruf für den Gebrauch meiner persönlichen Daten& einen Widerruf für die Einwilligung zu allen Vereinbarungen oder Verträgen die ich mit Medius oder ihren Partnern geschlossen habe, losgeschickt.

    Leider habe ich keine Ahnung, ob das rechtlich gesehen ausreicht.
    Bin ich jetzt „auf der sicheren Seite“, oder kann mich Medius in irgendeiner Weise noch belangen?
    Sollte ich damit zum Anwalt?

    Ich habe keine Kopie von diesem „Vertrag“ – oder wie die Mitarbeiterin es nannte der „Anfrage“. Ich vermute, dass sie damit noch nicht fertig war, da sie sofort einen Folgetermin 2 Tage später ausmachen wollte…

    Ich wäre für jede Hilfe dankbar!!!!

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    • Hallo,

      Ich wurde genau so angesprochen aber schon vor 2 Jahren, Der Ablauf ist immer der gleiche angebliche Schulung erweist sich als Vertragsabschluß in 99% aller Fälle. davon zurück zutreten wird und ist meist schwierig da irgendwo auch steht das man die Unterlagen ausgehändigt bekommen hat und meist ist da auch eine Unterschrift darunter. Somit wird ein Widerspruch schwer und fällt meist uas der Frist. mein Tipp Nerv die Beraterin stelle alles in Frage fordere deine Unterlagen und Kopien schau ganz genau auch nach einer Vergütungsvereinbarung suchen. Diese wurde bei mir erst nach Kündigung des Vertrages in meinen Unterlagen gefunden, geschickt versteckt 3 Blätter bei der Police und umgeklappt. Ich haben einen Anwalt eingeschaltet und der hat mir helfen können das ich nicht alles bezahlen musste.

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  7. Hallo!

    Ich habe auch vor Jahren etwas von der Atlanticlux abgeschlossen. 100€ pro Monat habe ich immer gezahlt. Iwann habe ich leider nicht mehr zahlen können, es iwie vergessen die offenen Posten zu begleichen, wurde, so glaube ich, dann auch gekündigt. Iwann habe ich dann vor gut 2 Jahren von RAe Bösel & Co. Post bekommen und sollte einen hohen Bterag zahlen, gefprdert von mira 2000 (…) Hab leider einen Ratenzahlungsvertrag von der RAe Kanzlei unterschrieben und stottere da nun 100€ / Monat ab

    Kann mir da noch iwie geholfen werden? Muss ich das weiterbezahlen? Bekomme ich Geld zurück? Zu was für einem Fachanwalt müsste ich gehen?

    ich bin sehr dankbar für jegliche Hilfe
    Beste Grüße
    RudiRiese

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