Schadensmanagement by DEKRA

Der Kollege Frese macht auf eine Werbekampagne der DEKRA aufmerksam:

Mit einem Flyer wird für eine besondere Form des Schadensmanagements geworben. Kasko-Schäden, die mittels DEKRA-Gutachten abgerechnet werden sollen, werden sogar vorfinanziert. KH-Schäden sollen nach durchschnittlich „13,5 Tagen“ reguliert werden. Autohäuser, die Ihren Kunden im Falle eines KH-Schadens einen DEKRA-Gutachter und deinen der „DCS Kooperationspartner (Rechtsanwälte) an die Hand geben, tun sich keinen Gefallen. Sie sollten auch nicht meinen, dass sie oder der Kunde hierdurch einen Vorteil haben. Im Gegenteil, durch die Einschaltung eines qualifizierten (unabhängigen) Verkehrsanwalts läßt sich bei KH-Schäden eine ebenso schnelle Regulierung erreichen. Und zwar nicht nach den Maßstäben der DEKRA, die in ihren Gutachten häufig die von der Rechtsprechung aufgestellten Grundsätze (Stichworte Stundenverrechnungssätze und „Porsche-Urteil“) mißachtet. Mit etwas Unmut entnehme ich den Flyer, das ausgerechnet die DEKRA verspricht: „Durchsetzung der rechtlichen Interessen nach Sach- und Rechtslage unter Berücksichtigung aktuellster Rechtsprechung“

DCS?? Was’n das? Kurz gegoogelt, schnell gefunden:

Europaweit, kompetentes Schadenmanagement = DEKRA Claims Services. Seit mehr als 80 Jahren engagiert sich DEKRA im Bereich des Sicherheitsmanagements und beweist mit DEKRA Claims Services seit mehr als 35 Jahren umfassende Kompetenz im Schadenmanagement. Europaweit bietet DEKRA in 27 Ländern Europas ein flächendeckendes Angebot für Versicherungsunternehmen, Makler und Flottenbetreiber.

… Als Partner der Versicherungswirtschaft bieten wir kompetentes Schadenmanagement und umfassende Betreuung von der Meldung bis zum Abschluss des Schadens. Mit derzeit drei Innenregulierungsbüros sowie mehr als 90 Außenreguliererstandorten verfügen wir über ein engmaschiges und permanent erweitertes Netz erfahrener Schadenmanager im gesamten Bundesgebiet. Unser Alleinstellungsmerkmal liegt in der Integration unserer versicherungsrechtlich gut ausgebildeten DCS-Schadenmanager in die größte Sachverständigenorganisation Europas. …

DEKRA als Partner der Versicherungswirtschaft – so viel zum Thema unabhängige Sachverständige. Hübsch auch ihre „Referenzen“:

Über 100 Versicherungsgesellschaften schätzen uns als zuverlässigen und kompetenten Partner in allen Fragen des Schadenmanagements.

Namen werden zwar nicht genannt – was man bei Referenzen doch wohl erwarten dürfte – aber immerhin „über 100 Versicherungsgesellschaften“ sollen es sein. Klar, und dann versucht ein Geschädigter gutgläubig, mit Hilfe von Rechtsanwälten, die DCS-Kooperationspartner (!) sind, seinen Schaden zu regulieren. Wahrscheinlich sind die auch noch DEKRA-zertifiziert. :no:

Gurtmuffelin gestellt – 30.000.- Teuro Schaden

tz-online vermeldet einen heldenhaften Einsatz bayerischer Ordnungshüter:

Montag, 12.40 Uhr, ist es beschaulich ruhig in Forstinning – um nicht zu sagen „tote Hose“. Und so fährt die 29-jährige Bettina H. (Name geändert) mit ihrem schwarzen Audi gemütlich über die Münchner Straße nach Hause in ihr Appartement in der Parkstraße. Dort wohnt sie erst seit ein paar Monaten, wissen Nachbarn. Pech für die Zugezogene aus Erding, dass sie diesmal ihren Gurt nicht angelegt hat.

Beim Versuch, die Erdingerin zu überholen und sich vor den schwarzen Audi von Bettina H. zu setzen, funktioniert das mit der Verfolgungsjagd dann aber doch nicht ganz so wie in den Action-Serien: Beim Überholvorgang übersehen der 27-jährige Fahrer des Polizeidienstwagens und seine 29-jährige Kollegin, dass die nicht angeschnallte Verkehrsteilnehmerin vor ihnen nach links in ihre Wohnstraße abbiegt. Das Stoppen des Streifenwagens erfolgt dann auf die etwas rustikalere Weise: Der Polizeiwagen rammt den schwarzen Audi voll und bleibt unter dem Auto stecken. Der Sachschaden ist beträchtlich: 25 000 Euro!

Rechts muss Recht bleiben, koste es, was es wolle! Aber 30.- Teuro kommen ja immerhin als Bußgeld wieder rein. 😉

Sorry, ich kann nichts dafür …

… dass mein Bloghoster auf die grenzdebile Idee verfallen ist, alle werbefinanzierten Blogs mit Mc-Doof-PopUp-Werbung zu verschandeln, die jeweils die neuesten Beiträge verdeckt und immer erst umständlich weggeklickt werden muss.

Wenn der Unfug nicht bald aufhört, muss ich wohl über einen Umzug nachdenken. :##

Zumwinkelzüge

Kaum hat der (angeblich?) reuige Sünder

Klaus Zumwinkel präsentiert sich am ersten Prozesstag reumütig. Seinen Steuerbetrug nennt er den „größten Fehler seines Lebens“, für den er „bitter gebüßt“ habe. „Ich will hier reinen Tisch machen“, sagt der frühere Post-Chef.

den Gerichtssaal verlassen, fängt er auch schon an zu stänkern: Er beklagt seine „mediale Hinrichtung„:

Der wegen Steuerhinterziehung verurteilte Ex-Postchef Klaus Zumwinkel bemängelt das gegen ihn geführte Verfahren: … „Es wurde gegen mehrere Gesetze verstoßen“, sagte er dem Bonner „General-Anzeiger“. Sein Vertrauen in den Rechtsstaat habe darunter gelitten. Zumwinkel beklagte vor allem, dass der Termin und die Tatsache seiner Hausdurchsuchung im vergangenen Februar öffentlich bekannt geworden seien. … In den vergangenen Monaten hätten er und seine Familie bitter büßen müssen. Es habe Telefonterror, Nachstellungen und Erpresserbriefe gegeben.

Oooohh ….

Convenience?

EIne Firma stellt sich vor:

Unser Name ist Programm: Convenience-Coding-Equipment. Unsere Kunden beziehen bei uns komfortabel ihr gesamtes Programm an Kennzeichnungstechnik.

Und das muss man dann mehr schlecht als recht ins Englische übersetzen, damit die Kunden es verstehen? Fertigfutteretikettierer wäre doch viel netter, oder? 😉

Als unwissend geoutet

Der gegnerische Kollege meint zu Unrecht, bei seinem Mandanten sei im Rahmen der äußerst umfangreichen Zwangsvollstreckung aus einem Urteil des Landgerichts zu viel vollstreckt worden. Also teile ich mit, dass dem keineswegs so ist, vielmehr schuldet der Gegner noch Kosten:

Die Einzelforderungen werden Sie in Kürze dem nunmehr bei Gericht einzureichenden Antrag auf Festsetzung der notwendigen Kosten der Zwangsvollstreckung gegen Ihren Mandanten entnehmen können.

Der Kollege begreift es trotzdem nach wie vor nicht und schreibt mir u.a. ganz wichtig:

Der von Ihnen angekündigte Kostenfestsetzungsantrag liegt mir bislang nicht vor. Eine Anfrage bei der Geschäftsstelle des Landgerichts Schwerin am 19.o1.2009 ergab, dass bis zu diesem Zeitpunkt auch dort kein solcher Antrag eingegangen ist.

1. Dass der Antrag dem Kollegen noch nicht vorliegt, ist bei dem Tempo unserer Gerichte (insbesodendere in Kostensachen) nicht wirklich erstaunlich.
2. Deutlicher kann man es kaum ausdrücken, dass einem die §§ 788 und 828 Abs. II ZPO offensichtlich völlig unbekannt sind.

Daher wird der Antrag beim Landgericht auch nie eingehen.

Verkehrsopferhilfe – Dichtung + Wahrheit

Wenn jemand in seinem Blog die Verkehrsopferhilfe kurz vorstellt, dabei aber – bei allem Respekt – wirklich nur Unsinn schreibt (den allerdings auch andere Kollegen so oder ähnlich verbreiten:

Ersetzt wird aber nur in gravierenden Fällen Schmerzensgeld und Schäden z.B. an einem Gartenzaun oder einer Hausmauer, wobei ein Selbstbehalt von 500 € gilt. Nicht ersetzt werden Fahrzeugschäden, Abschleppkosten usw., um Mißbrauch zu vermeiden.

– dann wird einem klar, warum in diesem Blog die Kommentarfunktion faktisch fehlt (erst anmelden – wer will das schon).

Die Wahrheit findet sich bei der Verkehrsopferhilfe selbst sowie in deren Merkblatt. Kurzfassung: Der Verein selbst reguliert nicht, sondern ein angeschlossenes Mitgliedsunternehmen – und zwar grundsätzlich so, als wenn ein nicht versichertes Fahrzeug dort versichert wäre. Selbstverständlich werden Fahrzeugschäden u.a. gezahlt, sogar fiktiv.

Amtsgerichtsdirektor schreibt Rechtsgeschichte …

… titelt die Neu-Ulmer Zeitung. Man könnte es wohl eher als Justizposse bezeichnen, wenn der Hintergrund nicht so ernst wäre:

Neu-Ulm (kr) – Mit der Verurteilung eines Zahnarztes wegen des Verrats von Patientendaten hat – wenn man so will – der Neu-Ulmer Amtsgerichtsdirektor Dr. Bernt Münzenberg Justizgeschichte geschrieben. Bislang, so war in der gestrigen Hauptverhandlung zu erfahren, gibt es in Deutschland noch keine derartige Entscheidung.

Staatsanwalt Walter Henle – sozusagen Vertreter und Hauptzeuge in Personalunion – legte dem 48-jährigen Zahnarzt zweifache „Verletzung von Privatgeheimnissen“, genauer gesagt: Verrat von Patientendaten, zur Last. Der Zahnmediziner hatte Ende Mai 2008 bei der Staatsanwaltschaft per Fax Strafanzeige gegen zwei Patienten erstattet, die er behandelt hatte, die aber auch Jahre danach – trotz Mahnungen und trotz eines gerichtlichen Vollstreckungsbeschlusses – immer noch nicht ihre Schulden bei ihm bezahlt hatten. Bei der Betrugsanzeige nannte der Dentist Ross und Reiter: die Namen seiner Patienten und die Art der Behandlung. Als die säumigen Patienten davon erfuhren, erstatteten sie Gegenanzeige wegen Verrats von Privatgeheimnissen.

Die Staatsanwaltschaft erkannte ebenfalls Geheimnisverrat und erwirkte einen Strafbefehl in Höhe von 100 Tagessätzen zu je 200 Euro, also 20 000 Euro. Nach Ansicht der Anklage verhilft eine Bestrafung der Patienten dem Zahnarzt nicht zu seinem Geld. Das hatte er bereits zivilrechtlich eingeklagt. Dabei hatte er aber sehr wohl Namen und Behandlungsmethode nennen dürfen. Gegen den Strafbefehl erhob der Zahnarzt durch seinen Anwalt Manfred Gnjidic Einspruch. …

Im Kern ging es um die „lebendige Rechtsfrage“ (Münzenberg), ob ein Zahnarzt in seiner Eigenschaft als Mediziner Betrugsanzeige erstatten darf oder nicht? Auf der einen Seite muss ein Zahnkundler (wie Ärzte allgemein oder Rechtsanwälte und andere Berufsgruppen auch) von Berufs wegen eine Schweigepflicht beachten, auf der anderen Seite haben auch Zahnärzte, wie alle Bürger, das Recht, Anzeige zu erstatten. Letztendlich hatte Dr. Münzenberg eine Interessenabwägung zu treffen: Wiegt das Recht auf informatorische Selbstbestimmung der Patientin (Schutz ihres Namens und ihrer Behandlung) mehr als das Interesse des Zahnarztes an 120 ausstehenden Euro?

Dr. Münzenberg urteilte, dass der Zahnarzt unbefugt die Patientendaten der Staatsanwaltschaft mitgeteilt habe. Der Mann habe die Strafanzeige als „Druckmittel“ verstanden, seinem zivilrechtlich gesicherten Anspruch auf die Behandlungskosten Nachdruck zu verleihen. Bei der Preisgabe der Behandlungsart sei er aber zu weit gegangen. In diesem Punkt seien die Rechte der Frau höher als der Geldanspruch zu bewerten. Einen Strafrabatt gab es aber: Staat 100 Tagessätzen muss der Zahnarzt jetzt nur noch 30 zu je 200 Euro bezahlen. Der Staatsanwalt hatte 70 beantragt.

Schon eine interessante Rechtsauffassung: Im Zivilprozess habe der Arzt „sehr wohl Namen und Behandlungsmethode nennen dürfen“ – und wohl auch müssen, um den Prozess nicht zu verlieren, zumal wenn der Gegner (Ex-Patient) in der üblichen Art grundsätzlich alles mögliche und so notfalls auch die jeweils zu honorierenden Behandlungsschritte bestreitet.

Dasselbe soll aber nun im Rahmen einer Strafanzeige verboten sein, die regelmäßig nur zur Verschwiegenheit verpflichtetem Justizpersonal zur Kenntnis gelangt? Wäre dies vielleicht auch noch anders zu werten, wenn der Zivil- oder auch Strafprozess vor großem Publikum verhandelt wird, das dann begehrlich zur Kenntnis nehmen kann, dass dem Patienten z.B. ein Weisheitszahn gezogen worden ist?

Es bleibt nur zu hoffen, dass der Kollege das einzig Richtige tut: Binnen Wochenfrist Rechtsmittel einlegen! :no:

Update 27.o4.2014:

Auf die Frage eines Kommentators – welch’ ein Service hier: 😉

Der Zahnarzt geht straffrei aus. Sein Rechtsanwalt hatte gegen das Urteil Berufung eingelegt. Der Patient, der den Arzt angezeigt hatte, hat inzwischen seinen Strafantrag zurückgezogen. Da es sich um ein reines Antragsdelikt handelt, fehlt der Justiz somit nun die Grundlage für eine Strafverfolgung, teilt Amtsgerichtsdirektor Dr. Bernt Münzenberg auf Anfrage mit.

Quelle: Hier.