And the winner is …

Das Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) veröffentlicht jährlich Beschwerdestatistiken über Versicherungsunternehmen:

Um einen Indikator über Qualität und Größe des Versicherungsgeschäfts zu vermitteln, wird der Zahl der Beschwerden, die die BaFin im Laufe des Jahres abschließend bearbeitet hat, die Zahl der Verträge zum Vorjahresende der jeweiligen Sparte gegenübergestellt.

Da Unternehmen aus dem Europäischen Wirtschaftsraum gegenüber der BaFin nicht rechenschaftspflichtig waren, entfällt die Bestandsangabe. Die Beschwerdezahlen sind der Vollständigkeit halber genannt.

Auch wenn hier leider ein Vergleich zwischen Beschwerdezahlen und Bestandgröße nicht möglich ist, fällt immerhin auf, dass in der „Beschwerdestatistik der Unternehmen aus dem EWR-Bereich“ Atlanticlux stabil die Spitze hält:

2005: 36 Beschwerden, 2006: 46 Beschwerden, 2007: 46 Beschwerden.

Nur mal so …

Goslar Institut

Noch nie gehört? Erinnert irgendwie an den jährlichen Verkehrsgerichtstag, oder? Nicht ganz:

Das Goslar Institut ist eine Initiative der HUK-COBURG anlässlich ihres 75-jährigen Bestehens, die sie als „public service“ ihrer Informationspolitik versteht. Sie will damit ihr Selbstverständnis als besonders kundenorientierter Versicherer dokumentieren. Die angebotenen Informationen sind nach bestem Wissen zusammengestellt; es gilt ausdrücklich die Bitte um kritische, auch kontroverse oder ergänzende Hinweise.

Schaun’ ‘mer mal, z.B. im dortigen Begriffslexikon unter dem Reizwort Schadensmanagement:

Schadenmanagement
Organisierte Bewältigung von Schäden etwa bei Versicherungen. Hier sind Zahlungen für Schäden der größte Posten bei den Ausgaben – das gilt besonders für Kfz-Schäden. Zur Reduzierung der Kosten für Versicherungen und Versicherte schließen die Unternehmen deshalb Verträge mit Partnerwerkstätten und bieten den Autofahrern die „Kasko mit Werkstattbindung“ an. Durch Steuerung der Kfz-Schäden in ein Werkstattnetz lässt sich die Reparaturdauer deutlich verkürzen und damit die Kosten erheblich reduzieren. Nach den Ergebnissen aktueller Studien kann die Schaden-Kosten-Quote nachhaltig um bis zu fünf Prozentpunkte gesenkt werden. Diese Einsparpotenziale ergeben sich vor allem aus günstigeren Vertragskonditionen mit den Werkstätten, der Reduzierung externer Sachverständigenkosten und der schnelleren Schadensbearbeitung. Dadurch fallen etwa die Kosten für einen Mietwagen deutlich geringer aus, weil er kürzer genutzt wird. Zum Vergleich: Bei den von den Versicherungen gesteuerten Fällen dauert die Schadensregulierung knapp zwei Wochen, bei nicht gesteuerten rund 28 Tage. Laut der Studie sanken bei gesteuerten Fällen die Reparaturkosten um 15 bis 20 Prozent. Nach repräsentativen Umfragen wäre jeder vierte Autofahrer bereit, im Schadensfall die Partnerwerkstatt seines Versicherers zu nutzen.

Hört, hört! Abgesehen davon, dass das (Un-)Ding natürlich Schadensmanagement heißt, fielen mir dazu so einige „kontroverse oder ergänzende Hinweise“ ein, aber diese dürften in gerichtlichen Schriftsätzen besser untergebracht sein. 😉

P.S. Die legendäre „Sechsmonatsfrist“ findet sich in dem Begriffslexikon nicht, nur unter dem Stichwort „Totalschaden“ folgende auffallend pauschale Formulierung:

Die Abrechnung erfolgt im Allgemeinen durch Abzug des Restwertes von dem im Gutachten festgelegten Wiederbeschaffungswert.

„Im Allgemeinen“ – und im Besonderen sei auf BGH VI ZB 22/08 vom 18.11.2008 verwiesen. 😉

P.P.S.: Dass das Goslar Institut gerade mir eine Video-CD schickt mit einer Podiumsdiskussion, deren – natürlich positives – Fazit man hier nachlesen kann, finde ich schon frech.

Die erste Million …

… soll ja bekanntlich die schwerste sein. Ob das wohl auch für Blogs gilt? Egal, 1.000.150 Seitenaufrufe seit Oktober 2005 sind jetzt erreicht.

Bei dieser Gelegenheit vielen Dank alle Lesern und insbesondere Kommentatoren für ihr Interesse und ihre Beiträge! 😀

Allianz – es bleibt zäh

In einer – eigentlich – recht eindeutigen Unfallsache schreibt mir die Allianz:

Vielen Dank für die polizeiliche Ermittlungsakte. Wie erwarten noch eine Stellungnahme unseres Versicherungsnehmers bis spätestens 10.03.2009. Bitte haben Sie daher noch etwas Geduld. Vielen Dank!

Aus der Ermittlungsakte ergibt sich eindeutig, dass die Unfallgegnerin bei „rot“ in den Kreuzungsbereich hineingerollt ist, nachdem sie ihren PKW zwei Mal abgewürgt hatte und dort meiner Mandantin direkt vor den Wagen fuhr. Wozu da noch eine Stellungnahme des Versicherungsnehmers abgewartet werden soll, bleibt unklar. Und Geduld habe ich grundsätzlich nicht, insbesondere nicht mit der Allianz. Deshalb ist die Klage auch längst bei Gericht. 😉

Ausziehen

Sollten einige junge Kollegen das, was sie per Flash auf ihrer Homepage (ansatzweise) vorführen, auch mit den Besuchern nur scheinbar kostenloser Homepages vorhaben? 😉

Davon unabhängig, eine (angebliche) Forderung einer Sparschwein AG aus dem Jahre 2005 erst im Februar 2009 anwaltlich geltend zu machen, ist entweder nicht wirklich schlau oder setzt auf die Ahnungslosigkeit des (angeblichen) Schuldners.

Klare Sache, oder?

§ 136 Abs. I S. 1 StPO – der auch in Owi-Sachen gilt – ist eigentlich recht eindeutig:

(1) Bei Beginn der ersten Vernehmung ist dem Beschuldigten zu eröffnen, welche Tat ihm zur Last gelegt wird und welche Strafvorschriften in Betracht kommen.

Nach einem Verkehrsunfall erhält der Mandant eine Anhörung als Betroffener (!) von der Polizei:

(Vorgedruckter Text):
Ihnen wird zur Last gelegt, die nachstehend näher bezeichnete Ordnungswidrigkeit began-gen zu haben.

Nachstehend findet sich dann Folgendes

Zur o.a. Zeit kam es an dem o.a. Ort zu einem Verkehrsunfall. Beim Vorbeifahren an dem rückwärts fahrenden PKW OH-XX YY der Frau xyz kam es zu einem Zusammenstoß.

Welche Tat dem Mandanten zur Last gelegt wird und insbesondere welche Strafvorschriften in Betracht kommen, ergibt sich daraus eher nicht, oder? (Ganz abgesehen davon, dass ohnehin nicht einmal ansatzweise ersichtlich ist, worin denn die Ordnungswidrigkeit des Mandanten liegen soll, dessen PKW im Vorbeifahren von dem anderen PKW seitlich gerammt wurde.)

Er kann nicht, aber er könnte …

„ohne besonderen technischen Aufwand Rundfunksendungen empfangen“ und muss deshalb Gebühren für seinen internetfähigen PC GEZ-Gebühren zahlen, beschied das VG Würzburg (Az. W 1 K 08.1886) laut n-tv den Besitzer eines PCs, der nicht einmal über eine Soundkarte verfügte:

Es spiele dabei keine Rolle, dass in dem PC keine Soundkarte und keine Programme zur Aufzeichnung von Rundfunksendungen installiert seien, entschied das Gericht in einem am Mittwoch veröffentlichten Urteil. … Entscheidend sei, dass der Computer „zum Empfang bereitgehalten“ werde. Mit ihm könnten ohne besonderen technischen Aufwand Rundfunksendungen empfangen werden. Auch Programme zum Aufzeichnen können nach Darstellung des Gerichts ohne weiteres kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden. „Im Büro wird häufig begleitend Radio gehört“, schrieben die Richter in das Urteil. Wenn kein normales Gerät da sei, liege es „nicht fern, den internetfähigen PC als einzige Quelle auch zum Radioempfang zu nutzen“.

Wetten, das diese ach so sachverständigen Richter selbst nicht einmal in der Lage wären, eine Soundkarte zu installieren?! 8|

Im Ergebnis ungefähr ebenso überzeugend, wie grundsätzlich jeden Bürger mit einer Rundfunkgebührenpflicht zu belegen, weil er sich ja ein Radio kaufen kann. Hochintelligent auch der Kommentar des BR hierzu:

Der Bayerische Rundfunk (BR) begrüßte das Urteil als wichtigen Schritt zu mehr Gebührengerechtigkeit. Andernfalls müssten die Besitzer herkömmlicher Rundfunkgeräte den Rundfunkempfang von PC-Nutzern mitfinanzieren, hieß es in einer Mitteilung.

Als wenn der „Rundfunkempfang von PC-Nutzern“ den BR auch nur einen Cent kosten würde.