Twitter an Wahltagen sperren

Schon wieder brisante politische Indiskretionen über Twitter:

Ein „Maulwurf“ hatte am Sonntag bei den sächsischen Landtagswahlen angeblich Prognosen schon vor der Schließung der Wahllokale um 18.00 Uhr über den online-basierten Kurznachrichtendienst Twitter dem noch nicht näher definierten „Feind“ in die Hände gespielt. …
Die Empörung bei der SPD ist groß: Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz fordert ein konsequentes Vorgehen gegen die Vorabverbreitung von Wahlprognosen im Internet. „Die gesetzlichen Möglichkeiten müssen voll ausgeschöpft werden, das ist schlicht und einfach eine Sauerei“, …

Erste Gegenmaßnahmen zur Aufrechterhaltung der politischen Grundordnung laufen bereits auf europäischer Ebene. So will die „Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ (OSZE) zur Bundestagswahl erstmals Wahlbeobachter nach Deutschland entsenden. Deutsche Provider sollen sich verpflichten an Wahltagen den Zugang zu Twitter zu sperren. Stattdessen sollen Bürger beim Aufruf der Seite ein Stopp-Schild gezeigt bekommen. Die IP-Daten der Nutzer werden an den Verfassungsschutz weitergeleitet. …

Noch ist das Satire. Noch …

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Fettdruck reicht nicht?

Die Bußgeldstelle der Hansestadt Lübeck scheint Fettdruck in ihren Formularbögen, mit denen sie eine Akte zur Einsichtnahme übersendet, für noch nicht hinreichend auffallend zu halten. Oder weshalb sonst wird der entsprechende Text zusätzlich noch mit gelbem Highlighter angemalt?

Glühlampenverbot?

Heute ist vielerorts in den Nachrichten zu lesen + zu hören, ab morgen träte ein „Glühlampenverbot“ in Kraft, gleichzeitig wird der Eindruck erweckt, dann gäbe es diese nicht mehr zu kaufen.

Richtig ist, dass sie ab morgen nicht mehr an den Handel ausgeliefert werden dürfen. In den Geschäften bereits vorhandene Bestände dürfen verkauft werden, so lange der Vorrat reicht.

Aber das ist vielen Journalisten wohl schon wieder zu kompliziert … 😉

Mehr zum Thema bei SPON.

Atlanticlux – wirklich provisionsfrei?

Die Atlanticlux Lebensversicherung lobt sich ja bekanntlich, dass die für ihre fondsgebundenen Lebensversicherungen zu entrichtenden Prämien keine Provisionsanteile enthalten. Stattdessen werden parallel die berühmt-berüchtigten, aber sogar TÜV-zertifizierten Vermittlungsgebührenvereinbarungen abgeschlossen.

Komisch nur, dass sich im e-bundesanzeiger im Jahresabschluss zum 31. Dezember 2007 folgende Passage findet:

4.2 Abschlussaufwendungen
Die Abschlussaufwendungen im Bereich der Kapital- und Fondsgebundenen Lebensversicherung beinhalten gezahlte Abschlussprovisionen in Höhe von TEUR 35.352 (2006: TEUR 31.372) sowie Verwaltungskosten in Höhe von TEUR 3.091 (2006: TEUR 2.611). Abweichend zum Vorjahr werden die provisionsbedingten Kosten in Höhe von TEUR 7.420 (2006: TEUR 7.960), die ausschließlich aus der Abschlusskostenfinanzierung aus französischen Fondsgebundenen Lebensversicherungen resultieren und nicht der Auszahlung dienen, unter den Sonstigen versicherungstechnischen Aufwendungen ausgewiesen.

Übrigens, nur vorsorglich: TEUR steht nicht für Teuro, sondern für Tausend Euro ;), richtig ausgeschrieben also: 35.352.000.- €. Demnach wurden Fünfunddreißig Millionen und Dreihundertzweiundfünfzigtausend Euro (also doch?) für Abschlussprovisionen verpulvert gezahlt ??

FWU – Alter Wein in neuen Schläuchen …

… aber auch alter Wein muss nicht zwingend gut sein, was Kunden der unter dem Dach der FWU angesiedelten Atlanticlux-Versicherung sicherlich bestätigen können, die unter den parallel abgeschlossenen Vermittlungsgebührenvereinbarungen leiden.

Im Elektronischen Bundesanzeiger findet sich u.a. Folgendes:

Zum 31.12.2007 wurde der Geschäftsbetrieb der Konzern-Muttergesellschaft FWU AG (alt) auf die FWU 1. Vermögensverwaltung AG im Wege der Verschmelzung gem. § 2 Nr. 1 UmwG übertragen. Bei der FWU 1. Vermögensverwaltung AG handelt es sich um eine 100%ige Tochtergesellschaft der FWU AG (alt). … Die Verschmelzungsbeschlüsse sowie der Verschmelzungsvertrag wurden am 18.12.2007 notariell beurkundet. Die FWU 1. Vermögensverwaltung AG als übernehmender Rechtsträger führt die Firma „FWU AG“ des übertragenden Rechtsträgers gem. § 18 UmwG fort. Als Verschmelzungsstichtag wurde der 31. Dezember 2007 gewählt. … Die Verschmelzung wurde mit Eintragung im Handelsregister am 9. April 2008 wirksam.

Interessant ist vor allem die Konstruktion, dass die externen Vermittler mit den Versicherungsnehmern sog. Vermittlungsgebührenvereinbarungen abschließen, die Ansprüche hieraus aber wiederum an die FWU abtreten, die dann mehr oder weniger erfolgreich versicht, diese bei den Versicherungsnehmern, aber notfalls wohl auch bei den Vermittlern wieder einzutreiben – mit denen man selbstverständlich offiziell überhaupt nichts zu tun hat.

Das Finanzmanagement des FWU Konzerns ist bis auf die Refinanzierung des Factoring-Geschäftes im Bereich der FWU Provisions-Factoring GmbH grundsätzlich auf eine Eigenfinanzierung ausgerichtet.

Im Bereich des Provisions-Factorings stehen der FWU Provisions-Factoring GmbH revolvierende Kreditlinien von fünf Banken und einer Versicherungsgesellschaft zur Verfügung. Inanspruchnahmen der Kreditlinien erfolgen geschäftsbezogen, d.h. monatliche Factoring-Ausschüttungen werden so refinanziert, dass die Rückführung der Darlehen jeweils durch das angekaufte Factoring-Volumen gedeckt ist.

Im Übrigen minimiert man das Risiko, indem man das Ausfallrisiko natürlich bei den Vermittlern belässt:

Ausfallrisiko
Der Ankauf von Forderungen birgt grundsätzlich ein Ausfallrisiko. Dieses ist weitgehend dadurch minimiert, dass das Bonitätsrisiko sowie das Veritätsrisiko (Storno-Risiko) vollständig beim Forderungsverkäufer verbleiben (unechtes Factoring). Bei diesem Geschäft lassen wir uns zur Besicherung der Forderungen den anteiligen Rückkaufswert der Versicherung abtreten. Darüber hinaus nehmen wir im Fall des Ausfalls der Forderung Verrechnungen mit den gebildeten Sicherheitseinbehalten bzw. mit laufenden Ausschüttungsansprüchen der Factoringnehmer vor. Des Weiteren haben wir einen Großteil des Forderungsportfolios bei der Euler-Hermes Kreditversicherungs AG versichert.

Das nicht durch vorhandene Sicherheiten gedeckte Risiko im Factoring überwachen wir monatlich auf Basis der einzelnen Factoring-Partner. Wir erhalten hierdurch regelmäßig und zeitnah Informationen zur Steuerung unseres Geschäftes. Ebenso überwachen wir monatlich die Stornosituation der pro einzelnen Vermittler vermittelten Versicherungsverträge und haben somit auch hier die Möglichkeit der sehr zeitnahen Reaktion auf Veränderungen.

„Die Möglichkeit der sehr zeitnahen Reaktion auf Veränderungen“ liegt hier nur nicht – wie sonst üblich – darin, den Versuch zu unternehmen, stornierte Versicherungsverträge zu „retten“, vielmehr wird versucht, ausgefallene Forderungen bei den Versicherungsnehmern, aber auch bei den Vermittlern zu realisieren. Und diese netten Geschäfte sollen auch weiter betrieben werden:

Deutschland
Die erste Hälfte des Jahres 2008 war von einem Rückgang gekennzeichnet; aufgrund vielfältigster eingeleiteter Maßnahmen hinsichtlich Produkten und verkaufsunterstützender Software gehen wir davon aus, dass wir zum Jahresende wieder auf dem Niveau des Vorjahres sind und in 2009 wieder, wie auch in den Vorjahren, Steigerungsraten verzeichnen können.

Hoffentlich nicht!