Inkassounternehmen – Partner der Wirtschaft?

Der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. (BDIU) macht Eigenwerbung:

Inkassounternehmen sind Partner der Wirtschaft
Inkasso ist ein Wirtschaftszweig mit großer Tradition. Bereits 1872 öffnete das erste „Auskunfts- und Kontrollbureau“ seine Pforten. Als Partner der Wirtschaft realisieren die Mitgliedsfirmen des Bundesverbandes Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. zahlungsgestörte Forderungen im außergerichtlichen Inkasso. Sie bieten ihren Auftraggebern umfangreiche Beratungsleistungen, die den weiteren positiven Geschäftskontakt mit dem jeweiligen Schuldner sicherstellen sollen. Als erfahrene Dienstleister im Forderungsmanagement helfen sie Unternehmen, ihre Liquidität zu sichern und so im Wettbewerb zu bestehen.

Ach, wirklich?
· 1872 mag ein Bedarf für Inkassobuden bestanden haben, ob das heute wirklich auch noch der Fall ist, erscheint m.E. zweifelhaft – nicht zuletzt aufgrund der großen Zahl niedergelassener Anwälte.
· Inwiefern die Einschaltung einer Inkassobude einem „weiteren positiven Geschäftskontakt mit dem jeweiligen Schuldner“ förderlich sein soll, erschließt sich eher nicht. Ganz im Gegenteil: Will man Forderungen effektiv eintreiben, muss man alle Register ziehen und den Schuldner ggf. auch als echten Gegner und nicht als noch-immer-Geschäftspartner sehen.
· Und schließlich; Umfassende(re) Beratung gibt es auch bei Rechtsanwälten.

Der einzig wirklich bemerkenswerte Unterschied ist also eher der, dass Anwälte einige Inkassomethoden, wie z.B. Anrufe bei Schuldner, ggf. auch ungebetene Hausbesuche etc. pp., eher nicht praktizieren – was durch professionelle Forderungseintreibung aus einer Hand, notfalls bis zur letzten Instanz – aber sicherlich aufgewogen wird, von der zweifelhaften bzw. eingeschränkten Erstattungsfähigkeit von Inkassokosten einmal ganz abgesehen.

P.S.: Aber der Begriff „zahlungsgestörte Forderungen“ ist wirklich hübsch.

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6 Gedanken zu “Inkassounternehmen – Partner der Wirtschaft?

  1. Von derartiger Werbung habe ich mich auch mal einlullen lassen.
    Die Leistung bestand in einigen Faxbriefen an den Schuldner und sehr schnell kam es zu weiteren Forderungen an mich, dem Gläubiger.
    Fazit: Der Gläubiger wird abgezogen. Bei dem gibt es schließlich was zu holen.

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  2. Mit der Inkassobranche ist es wie mit jeder anderen Branche auch. Das Problem ist, die guten Unternehmen zu finden. Also jene, welche beim Kunden auch 2-3x höflich anrufen und einen realistischen Zahlungsplan basteln. – Von einigen Rechtsanwälten kann man schliesslich auch berichten, dass sie Verfahren pflegen, welche den späteren Kundenkontakt quasi unmöglich machen.
    Also ich habe für mein Unternehmen bisher alle Forderungen eintreiben können und da sind ein paar sehr gute Kunden dabei. Eben weil ich diese in schwereren Zeiten EBEN NICHT unter sinnlosen Druck gesetzt habe. Wozu einen nackten Mann verklagen?

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  3. Die lustige HP des BDIU sollte man stets nur augenzwinkernd zur Kenntnis nehmen

    Unser Büro hat oft über diverse Beiträge lachen müssen insbesonders dann wenn Wolfgang Spitz seine Kommentare abgibt !

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