Richterliche Ignoranz

– oder wie soll man folgendes Szenario nennen: Es ging um eine Werklohnforderung von sage und schreibe 177.- €, die zunächst per Mahnbescheid geltend gemacht wurde. Die Antragsgegnerin legte Widerspruch ein, so ging die Sache in das gerichtliche Verfahren vor dem von hier ca. 70 km entfernten Amtsgericht.

In der Klage hatte ich bereits gebeten, das schriftliche Vorverfahren anzuordnen bzw. nach § 495 a ZPO zu verfahren. Das interessierte das Gericht natürlich überhaupt nicht, es beraumte wichtig frühen ersten Termin an, gleich morgens um o9.00 Uhr.

Also morgens früh losgefahren, eine Stunde Fahrzeit, um sich dann das vorhersehbare Versäumnisurteil abzuholen, dann wieder eine Stunde zurück. Auf meine freundliche Frage, was das Gericht denn gehindert hätte meiner Anregung nachzukommen, meinte der Vorsitzende schlicht:

Man würde bei dem Gericht eben das mündliche Verfahren bevorzugen – und § 495 a ZPO? Da müsste er ja ggf. ein streitiges Urteil schreiben!

Wie schrecklich! Da ist es natürlich einfacher, dem doofen Anwalt zweieinhalb Stunden seiner Arbeitszeit zu klauen und ihn hinterher zu bescheiden, dass die Reisekosten zum Gericht und Abwesenheitsgeld selbstverständlich nicht erstattungsfähig sind, weil die Mandantschaft sich gleich einen Anwalt am Gerichtsort hätte nehmen können.

Der Anwalt darf sich dann überlegen, ob wer wegen des guten Geschäftskontakts zur Mandantschaft diese 62.- € (netto) in die Tonne tritt oder diese von den erstrittenen 177.- Teuro abzieht – und Stress mit der Mandantschaft riskiert.

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2 Gedanken zu “Richterliche Ignoranz

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