Kostenvoranschlag oder Sachverständigengutachten ?

Mal abgesehen von der (angeblichen) Bagatellgrenze bei ca. 700.- € (die so sicher keinesfalls ist, s. z.B. DAR 2009, 432): Bei Verkehrsunfällen ist ein Sachverständigengutachten natürlich einem Kostenvoranschlag vorzuziehen. Dies gilt nicht nur wegen der in aller Regel höheren Qualität der Schadensfeststellung und -dokumentation, wie die Unfallzeitung berichtet:

Genau dieser Kostenvoranschlag ist für die meisten Werkstätten ein Problem. Viele haben kein ausgebildetes Personal, das verdeckte Schäden erkennt. Ohne Sachverständigengutachten, das den vollständigen Schaden und den Reparaturweg aufzeigt, verschenken die Werkstätten erhebliche Einnahmen. Der „Verband der unabhängigen Kfz-Sachverständigen“ (VKS e.V.) analysierte 100 Kostenvoranschläge von Reparaturwerkstätten für Unfallfahrzeuge. Ergebnis: Die Werkstätten stellten 30-35 % an Reparaturumsatz nicht fest. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine andere Studie der „Gesellschaft für Technische Überwachung“ (GTÜ). Die Experten hatten die Kostenvoranschläge für Unfallfahrzeuge einer Modellwerkstatt nachkalkuliert. Sie fanden heraus: die Berechnungen berücksichtigten bis zu 45 % zu wenig Reparaturen.

Zudem ist auch der Beweiswert eines Sachverständigengutachtens deutlich höher einzuschätzen, insbesondere dann, wenn über die Höhe des Schadensersatzes bzw. der Reparaturkosten noch gerichtlich gestritten wird.

Dass man auch ansonsten die Schadensregulierung weder der Werkstatt überlassen noch selbst versuchen sollte, ist leider (immer noch) nicht selbstverständlich.

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2 Gedanken zu “Kostenvoranschlag oder Sachverständigengutachten ?

  1. Naja, von wegen so etwas sollte selbstverständlich sein. Die Herren Anwälte hätten das sicher gern. Dabei sollten Fahrzeuge Gebrauchsgegenstände sein, nicht Lackgeschürzte Edelstücke. Hier im schönen Friedrichshain habe ich mal beim Einparken versehentlich einen alten Opel geditscht. Ehrliche Haut die ich bin, Polizei gerufen, Halter ermittelt, den aus seiner Wohnung geklingelt. Er schaut sich seine Stoßstange an und meinte nur: ob da bei den vielen Beulen jetzt eine Neue dabei sei, könne er nicht erkennen und es sei ihm auch egal. Dann haben sich noch alle die Hand geschüttelt und sind ihrer Wege gegangen.

    Das sollte gesetzliche Vorschrift sein: Kollisionsschäden bis 20 km/h hat die Stoßstange abzufangen (ja, das wäre technisch möglich, wenn man das wollte). Wer gern ein lackierte Plastikstoßstange vorne dranschrauben möchte, kann das ja gern tun, sollte dann aber Schäden in obigem Umfang selbst tragen müssen. Was in Deutschland für ein Kult um Fahrzeuge getrieben wird, ist einfach lächerlich.

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