Milchmädchenrechnung

Ein Kasper Kollege, der auszog, den Anwaltsmarkt zu aldisieren, gab in der NJW zu der Frage, wie er auf den Stundensatz von 36 Euro gekommen ist, Folgendes zum Besten:

Für unser Unternehmensziel „höchstmögliche Qualität zum tiefstmöglichen Preis“ mussten wir zunächst unsere Fixkosten auf das Unverzichtbare beschränken. Unverzichtbar für den Anwaltsberuf sind jährlich der Kammerbeitrag von 160 Euro und die Berufshaftpflichtversicherung von 800 Euro. Bei 1800 abrechenbaren Stunden im Jahr ergeben sich unverzichtbare Fixkosten pro Anwaltsstunde von weit unter einem Euro! Nach der Formel „Preis = Kosten + Gewinn“ war nun der Gewinn bzw. Verdienst festzulegen. Der Stundenverdienst betrug 2006 laut einer Studie des Instituts für freie Berufe 15 bis 20 Euro bei angestellten, und 20 bis 28 Euro bei selbstständigen Anwälten. lm Vergleich dazu hielten wir einen Stundenverdienst von knapp 36 Euro für unsere Anwälte für mehr als angemessen.

Ja, nee, is klar – mehr Fixkosten als Kammerbeitrag und Berufshaftpflichtversicherung haben wir ja auch nicht. Wer zahlt denn schon für Kanzleimiete, Verbrauchsmaterial, Bücher, PKW, Krankenversicherung, sonstige Versicherungen, Computer, Post- und Telekomentgelte, Fortbildung etc. pp. – von Personalkosten ganz zu schweigen. :no:

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8 Gedanken zu “Milchmädchenrechnung

  1. ja stimmt schon. Die Anwälte tun mir auch immer leid. Die verdienen so wenig weil sie immer die besten Räume für ihre Kanzleien mieten (inkl. goldenem Türschild). Naja in der Not ist man die Wurst auch ohne Brot.

    Mit dem Blogbeitrag machen Sie sich jedenfalls keine neuen Freunde. Ich finde den Ansatz des anderen Herren sehr begrüßenswert…

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  2. Der Kollege ist m. E. eine peinliche Schande für den Stand.

    @Stefan Walter
    Der Ansatz ist fatal. Wenn Anwälte mit solchen Sätzen rechnen würden, dann sähe es bald sehr finster aus in Sachen qualifizierter Rechtsbeistand. Sie können sich ja mal umschauen, was jur. Literatur kostet um mal einen weiteren unverzichtbaren Kostenpunkt aufzuführen.

    1800 abrechenbare (!) Stunden. Die habe ich jedenfalls in meiner Großkanzleizeit(!) nicht geschafft.

    Für € 36/h bekommen Sie im Handwerk kaum einen Gesellen, geschweige denn einen Meister und gar nicht erst von einem Akademiker zu reden.

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  3. Der ATU um die Ecke will 50 EUR netto für jede Arbeitsstunde. Audi berechnet stolze 109 EUR netto pro Stunde. Der GWS-Installateur kommt für schlanke 80 EUR pro Stunde. Da weigere ich mich einfach, die lächerlichen RVG-Sätze oder ein 150 EUR Stundenhonorar (das alle Jubeljahre mal durchgeht) mit Literaturkosten etc. rechtfertigen zu wollen. Wer meint, dass das zuviel ist, soll’s halt selbst oder mit dem Aldianwalt versuchen.

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  4. Rechtfertigen will ich Honorare alleine mit Literaturkosten auch nicht – es ging mir nur um die Auflistung der unverzichtbaren Kosten.

    Es gilt die alte Regel:
    Wer beim Anwalt spart, zahlt bei Gericht.

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  5. Wenn ich nur die Antworten des Herrn Haeger aus dem NJW-Interview bei blablameter.de eingebe, erhalte ich folgendes Ergebnis (nicht so übel wie ich gedacht hätte):

    Ihr Text: 5114 Zeichen, 670 Wörter
    Bullshit Index :0.47
    Ihr Text riecht schon deutlich nach heisser Luft – Sie wollen hier wohl offensichtlich etwas verkaufen oder jemanden tief beeindrucken. Für wissenschaftliche Arbeiten wäre dies aber noch ein akzeptabler Wert (leider).

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