Atlanticlux und ihre Vermittler

Da die Atlanticlux S.A. ja sehr großen Wert darauf legt, selbst nie in Prozesse um Vermittlungsgebührenvereinbarungen zu ihren Lebensversicherungsverträgen involviert zu sein, sei auch hier betont, das folgendes Zitat aus einem Schriftsatz in einem Prozess stammt, wo die Superior Vertriebsmanagement GmbH – eine der ganz großen in der Atlanticlux-Vertriebsbranche – gegen einen (früheren) Kunden auf Zahlung der Vermittlungsgebühren klagt:

Darüber hinaus ist vorzutragen, dass die Unterfertigten über tausende (!) rechtskräftige unveröffentlichte Titel verfügen, in denen festgestellt worden ist, dass die Maklercourtage zu Recht geltend gemacht worden ist.

„Tausende (!) rechtskräftige unveröffentlichte Titel“ – soll man das glauben?

Komisch schon, dass in den einschlägigen Archiven – z.B. bei juris – tatsächlich nur relativ wenige Urteile zu der Vermittlungsgebühren-Thematik veröffentlicht sind – und in auch diesen keineswegs sämtlich „festgestellt worden ist, dass die Maklercourtage zu Recht geltend gemacht worden ist“. Aber die sind dann ja auch bekanntlich alle rechtsirrig. 😉

Und überhaupt: Lassen sich wirklich Tausende deutscher Bürger mutwillig vor Gericht zerren, obwohl sie wissen, dass sie eine Vermittlungsgebührenvereinbarung unterzeichnet haben, kraft derer sie diverse Tausend Teuro an den Vermittler zahlen sollen – völlig unabhängig von dem weiteren Schicksal der vermittelten Lebensversicherung? Oder sollte es doch so sein, dass diese das eben nicht verstanden hatten – sei es, weil die Vereinbarung ihnen einfach „untergeschoben“ wurde oder weil diesbezüglich unzutreffende Versprechungen gemacht wurden, wie z.B. eine angebliche steuerliche Absetzbarkeit dieser Vermittlungsgebühren?

Und schließlich: Der sich selbst gern als „der Unterfertigte“ bezeichnende Kollege bewirft Gerichte und Gegenseite regelmäßig mit Hunderten von Seiten Urteilskopien. Liest man sich diese durch, wird offensichtlich, dass die Verteidigung gegen die Ansprüche oft halbherzig praktiziert wurde, so dass man sich nicht wundern darf, wenn die Gerichte dann nach dem Motto „pacta sunt servanda“ entscheiden – anstatt sich mit den Gründen zu beschäftigen, die gegen die Wirksamkeit der Vermittlungsgebührenvereinbarungen sprechen.

Jedenfalls: Ein Produkt, das Gegenstand von Tausenden von Prozessen ist, kann nicht wirklich gut sein, oder? :-/

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zu Guttenberg könnte kein Lehrer werden

Wer aus anderen Werken abschreibt, ohne dies zu kennzeichnen, kann sich nicht damit herausreden, dass ihm am Computer bloß Formatierungs- und Bearbeitungsfehler unterlaufen seien und er beim Korrekturlesen aufgrund der eigenen Fachvertrautheit keinen Unterschied der kopierten Stellen zu den eigenen Formulierungen habe erkennen können.

Nein, es geht hier nicht um eine Doktorarbeit ;), sondern um eine Entscheidung des OVG Bremen. Der Kläger hatte sich gegen die Entscheidung der Beklagten, wonach er die Zweite Staatsprüfung für das Lehramt an öffentlichen Schulen wegen eines Täuschungsversuchs bei der schriftlichen Hausarbeit nicht bestanden hatte, gewandt. Er scheiterte vor dem Verwaltungsgericht Bremen sowie in der Berufung vor dem Oberlandesgericht Bremen, wie bei kostenlose-urteile.de nachzulesen ist.

Ob er jetzt für ein Ministeramt kandidiert?

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Deppen am Richtertisch?

Die Gegenseite rechnet mit Gerichten ab, die Ansprüche aus Vermittlungsgebührenvereinbarungen verneint und ggf. deren Vertreiber zur Rückzahlung vereinnahmter Vermittlungsgebühren verurteilt haben.

1. LG Stuttgart – rechtsirrig
2. LG Schwerin – rechtsirrig
3. LG Düsseldorf – rechtsirrig
4. LG Offenburg – rechtsirrig
5. AG Esslingen – rechtsirrig
6. AG Oranienburg – rechtsirrig
7. AG Bensheim – rechtsirrig
8. AG Leipzig – rechtsirrig
9. AG Aschaffenburg, bestätigt durch LG Aschaffenburg – rechtsirrig

Qualifizierter Vortrag sieht anders aus. Aber Hauptsache, der gegnerische Kollege weiß, was Recht ist. 😉

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Zu Guttenberg – Dr. weg, jetzt auch das Prädikatsexamen ?!

Ein Kommentator macht auf folgende Merkwürdigkeit aufmerksam:

Vor zwei Tagen war auf der HP des Bundesministers für (Selbst)verteidigung noch zu lesen: „Studium der Rechts- und Politikwissenschaften, Prädikatsexamen“. Nun ist davon keine Rede mehr, das Prädikatsexamen ist verschwunden. Nanu?

Glücklicherweise gibt es aber noch das Webarchiv und insbesondere den Google-Cache:

„Studium der Rechts- und Politikwissenschaften, Prädikatsexamen, Promotion im Jahr 2007 zum jur. (summa cum laude)“

Der Doktor ist weg, weil erschlichen – sollte ähnliches auch für das Prädikatsexamen gelten? Fragen über Fragen! 😉

Aber wie heißt doch der Titel seiner Seite: „Karl-Theodor zu Guttenberg | Verantwortung verpflichtet“ – fragt sich nur, wozu?

Update: Der Google-Cache wurde inzwischen überschrieben, aber im Webarchiv findet sich immer noch das eine oder andere Schmankerl. 😉

2. Update o1.o3.2011: … und jetzt auch der Ministerposten – leider zu spät, um noch halbwegs in Ehren zu gehen.

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Merkeln die noch was?

Wie u.a. die ZEIT berichtet, leidet die Kanzlerin offensichtlich an grassierendem Realitätsverlust:

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete die Entscheidung der Universität als richtig und logisch. Das Votum zeige, dass zu Guttenberg mit seiner Selbsteinschätzung richtig liege. „Die Entscheidung der Uni Bayreuth liegt auf der Linie dessen, was der Verteidigungsminister vorgegeben hat“, sagte Merkel nach Angaben eines Regierungssprechers. „Sie macht daher Sinn.“

Das ist ja wohl der Gipfel der Unverfrorenheit:

Ein als Lügner und Plagiator enttarnter Minister wird für seine „Selbsteinschätzung“ gelobt – die letztlich nur darin bestand, nach anfänglichem Bestreiten das Unübersehbare zuzugeben, aber auch keinen Deut mehr. Und dann findet man es auch ganz toll, dass die Uni Bayreuth den „Vorgaben“ dieses Frei-von-Skrupeln-Herrn gefolgt ist, also ihm quasi befehlsgemäß der Doktortitel aberkannte?

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