Kachelmann: Freispruch – so weit, so gut …

Es rauschte heute durch den Medienwald: Der Wetterfrosch ist freigesprochen worden, „die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse“ wie u.a. der Stern und die meisten anderen Medien mitteilten, ferner, dass „Kachelmann für seine Zeit in Untersuchungshaft entschädigt werden wird“.

„Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse“ – ohnehin selbstverständlich bei einem Freispruch. Diese bestehen allerdings nur aus den Kosten, die staatlicherseits angefallen sind, also insbesondere für Gericht, Staatsanwaltschaft und von diesen beauftragte Sachverständige.

Wesentlich interessanter – und gravierender sind da schon die ebenfalls zu erstattenden sog. „notwendigen Auslagen“ des Angeklagten, also insbesondere das Verteidigerhonorar. Das ist zwar grundsätzlich auch erstattungsfähig – allerdings nur in durchschnittlicher Höhe. Der Kollege Schwenn dürfte aber nicht so ganz billig sein – und u.a. dessen Honorar wird Jörg Kachelmann wohl zum überwiegenden Teil selbst zahlen müssen, wie die Süddeutsche gut darstellt.

„Der Zweifelsgrundsatz ist käuflich“ meint der Kollege Vetter – nur nicht für jeden bezahlbar, möchte man hinzufügen. Für ein Pflichtverteidigerhonorar sind Top-Verteidiger wie Kollege Schwenn nicht zu haben – und auch renommierte Sachverständige werden wohl kaum ohne realistische Aussicht auf gute Bezahlung tätig werden.

Und Entschädigung? Für die 132 Tage U-Haft gibt es sage + schreibe 25. – € pro Tag – insgesamt also 3.300.- €. Ein bisschen kommt noch hinzu für die 43 Verhandlungstage, aber auch nicht wirklich lohnend. Allein das Tageshonorar des Kollegen Schwenn dürfte etwas darüber gelegen haben.

Der Kollateralschaden ist dafür immens – und schon lange nicht mehr entschädigungsfähig. Bleibt nur zu hoffen, dass die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage das Urteil akzeptieren.

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3 Gedanken zu “Kachelmann: Freispruch – so weit, so gut …

  1. Frau Schwarzer sagt – sinngemäß – er sei trotzdem schuldig. Und wenn DIE es nicht weiß, wer denn dann? Die dummen Richter. Das böse Schwein. Und jetzt greift er auch noch massig Kohle beim Staat ab. Also wirklich…

    Mich wundert nur, dass die Nebenklägerin noch keinen Orden von der EMMA bekommen hat.

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