Oktoberfest – kollektiver Millionenbetrug?

Der Verein gegen betrügerisches Einschenken e.V. (VGBE) informiert:

Durch zu gering gefüllte Gläser entsteht den Kunden der Wiesn ein beträchtlicher Schaden. Laut Verein bereichern sich die Festwirte mit über fünf Millionen Euro, denn eine korrekt gefüllte Maß ist äußerst selten.

Aber Hilfe ist in Sicht:

Nun hat der VGBE eine App entwickelt, die mittels eines Fotos des Maßkrugs errechnet, wie viel Bier in diesem ist.

Also, um zu erkennen, dass die Maßkrüge selten viel mehr als halbvoll sind, brauche ich keine App. Warum allerdings die offensichtlich ganz überwiegende Mehrheit der Gäste sich diesen Besch… auf der Wiesn widerspruchslos gefallen lässt, ist eine andere Frage.

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Anwaltliche Schadenfreude?

Dass unerlaubt auf Behindertenparkplätzen abgestellte Fahrzeuge (sofort) abgeschleppt werden dürfen, ist so neu eigentlich nicht. Trifft das Schicksal allerdings einen Anwalt, geht sofort ein Rauschen durch die Blawgszene, s. hier und hier und hier, hier und auch hier.

Dabei hat das Urteil mit der Tatsache, dass der Delinquent Rechtsanwalt war, „allenfalls am Rande zu tun“, wie der Kollege Burhoff anmerkt. Was sagt uns das also? 😉

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dazu Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht verklagt Allianz

LTO berichtet:

Das „Fairplay-Konzept“, ein neues Produkt der Allianz-Versicherungs AG zur vereinfachten Regulierung von Schadensfällen ist nach Ansicht des Deutschen Anwaltsvereins wettbewerbswidrig. Die Interessenvertretung hat deshalb das Unternehmen wegen der Anwendung des Produkts vor dem Landgericht München I verklagt. Werkstätten müssen nach dem neuen Konzept zunächst mit der Allianz einen Rahmenvertrag abschließen. Durch diesen Vertrag werden den Werkstätten weitreichende Pflichten im Rahmen der Schadensermittlung auferlegt, unter anderem die Schadensermittlung nach strengen Vorgaben zur Kostenoptimierung. Zugleich sollen die Werkstätten eine kurzfristige Freigabe der Reparatur innerhalb weniger Stunden sowie die Zahlung der Reparaturkosten innerhalb von sieben Tagen erhalten.

Nach Ansicht der Verkehrsrechtsanwälte des Deutschen Anwaltvereins (DAV) ist dieses Vorgehen wettbewerbswidrig. Voraussetzung für die Ermittlung nach dem „Fairplay-Konzept“ sei, dass ein Rechtsanwalt oder ein freier Sachverständiger nicht hinzugezogen wird. Die Werkstatt orientiere sich an der gegnerischen Versicherung, anstatt allein nach bestem Wissen und Gewissen den Reparaturauftrag des Kunden zu erfüllen.

Man beachte: gerade die Allianz, die nicht gerade für schnelle Schadensregulierung bekannt ist, sichert ihren „Vertragswerkstätten“ die „Zahlung der Reparaturkosten innerhalb von sieben Tagen“ zu – allerdings nur dann, wenn „ein Rechtsanwalt oder ein freier Sachverständiger nicht hinzugezogen wird“. Zumindest Rechtsanwälte und Sachverständige, die bei dieser Gesellschaft noch Versicherungen unterhalten, sollten hierüber vielleicht einmal nachdenken – und Geschädigte sowieso, Stichwort: „Schadensermittlung nach strengen Vorgaben zur Kostenoptimierung“.

Mit Fairplay hat dieses Konzept wohl wenig zu tun – jedenfalls aus Sicht der Geschädigten. Mehr dazu hier.

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Atlanticlux und ihre Vermittler – die 2.

Zu den einstmals Großen in der Atlanticlux-Vermittlerbranche gehörte die Grossardt Wirtschaftsinformation AG, die später in Beck Service AG umfirmierte und sodann Insolvenz anmeldete (weshalb wohl?).

Kurz zuvor trat die Beck Service AG allerdings noch Forderungen aus den von ihr bzw. ihren Schergen Vermittlern abgeschlossenen Vermittlungsgebühren-vereinbarungen an andere (Briefkasten-)firmen ab. Eine solche Abtretungsurkunde wird nun in einem Rechtsstreit vor dem AG Oranienburg vorgelegt. Dort heißt es eingangs:

Beck hat gegenüber den in der Anlage „Beck Service AG – Kundenmahnverfahren durch RA B.“ (Seiten 1 bis 307) näher bezeichneten Schuldnern aus den in der Anlage näher bezeichneten Vermittlungsgebührenvereinbarungen … Forderungen.

Man beachte: „Seiten 1 bis 307″. Auf einer Seite sind 49 Verträge bzw. Verfahren verzeichnet. 307 Seiten mal 49 Eintragungen ergeben 15.043 (!) Fälle, die bereits anwaltlich bearbeitet wurden. In einem anderen Verfahren vor dem AG Rathenow wurden 17 Seiten mit Fällen vorgelegt, die an einen anderen Kollegen übergeben worden waren, also ca. 833 weitere Fälle.

Insgesamt hatte also allein Beck Service seinerzeit mindestens 15.876 Fälle in anwaltliche Bearbeitung gegeben. Glaubt da noch irgend jemand an Zufall bzw. dumme Kunden, die sich frei- bzw. mutwillig solchen Verfahren aussetz(t)en?

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