Empörend !?!

Kaum geht der sog. „NSU-Prozess“ los (erinnert sich eigentlich noch jemand an die ursprüngliche und absolut harmlose Bedeutung des Kürzels NSU ?), ist man allseits empört:

Zunächst sind „Journalisten empört über Akkreditierungsverfahren“

Dann ist ein türkischer Politiker „empört über ein Kruzifix“ im Gerichtssaal. Es sei eine „Bedrohung“ – und müsse sofort verschwinden.

Die (ganze?) Türkei empört sich (angeblich) über den Auftritt der Hauptangeklagten im NSU-Prozess.

Und schließlich – und nicht zu vergessen – sind die Vertreter der Nebenklage empört über die Vertagung des Prozesses aufgrund von Befangenheitsanträgen.

Empörend, verehrte Kollegen, fände ich es hingegen, wenn die Verteidigung (auch „so einer“ Angeklagten) nicht alle ihr zu Gebote stehenden legalen Mittel einsetzen würde. Immerhin droht der Angeklagten die Höchststrafe. Der Vorwurf des Nebenklagevertreters Reinhard Schön aus Köln, den Beginn des Prozesses zu verschleppen und so die „Qualen der Opfer zu verlängern“ ist ebenso deplatziert wie – insbesondere für einen Fachanwalt für Strafrecht – schlicht unprofessionell, wie der Kollege Siebers es bereits deutlich zum Ausdruck gebracht hat. Entsprechendes gilt für den Nebenklage-Anwalt Reineke: „Die Qual der Opfer wird verlängert mit diesem Bohei.“

Die dümmliche Bildunterschrift in der Blöd-Zeitung, wonach „die schlimmste Rechtsterroristin in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland sich schick gemacht (hat) für den Prozess des Jahres“, mag dabei als typisch auf sich beruhen. Unschuldsvermutung und Boulevard-Journaille passen eben nicht zusammen. Für Rechtsanwälte als Nebenklagevertreter sollte allerdings anderes gelten.

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9 Gedanken zu “Empörend !?!

  1. Die BILD muß ja die Lufthoheit über die Modefragen behalten, da ist das Zitat natürlich erklärbar.

    Aber diese Anwälte … sie scheinen mit einer Aburteilung zu rechnen, nicht mit einem Urteil.

    Als ob es bei diesem Prozeß noch um irgendwelche Angeklagte oder die Befindlichkeiten irgendwelcher Nebenkläger ginge …

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  2. Der NSU-Prozess ist eine Gold-Geld-Grube für die Nebenkläger-Anwälte. Deswegen suchen viele Anwälte händeringend Nebenkläger/Innen. Für jeden Tag gibt es wohl € 600,-. Bei 100 Prozesstagen sind es dann 60.000,-. Bei 100 Nebenklägern werden allein für die Anwälte € 6.000.000,- Steuergelder ausgegeben.

    Die NSU-Täter sind primitive rechtslastige Kriminelle. Der NSU-Prozess wird dem wieder aufstrebenden Faschismus in Deutschland nicht gerecht. De facto wird mit dem NSU-Prozess abgelenkt von der Gefährlichkeit des schon etablierten modernen Faschismus, auch in Deutschland.

    Deswegen die jaulende Journaille, allen voran die BILD.

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    • „Für jeden Tag gibt es wohl € 600,-“

      Nö, falsch. 356 Euro netto. Dauert die Verhandlung mehr als 5 Stunden an einem Tag, gibt es für diesen Tag zusätzlich 178 Euro netto; bei mehr als 8 Stunden gibt es zusätzlich 356 Euro netto.

      Erfahrungsgemäß legt man als beigeordneter Anwalt bei solchen Großverfahren ordentlich drauf.

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  3. Was hätte Frau Zschäpe denn anziehen sollen?
    Und manche Zeitungen schreiben, sie würde „frech in die Gegend schauen“. Selbst – für mich unerwartet – die FAZ hat sich darüber mokiert, dass sie einmal „ihre Haare ausgeschüttelt“ und einen „Fischerman’s Friend“ genommen hätte.
    Hätte sich sich etwas vor den Kopf gehalten, hätte es geheissen, sie verstecke sich feige.
    Ich glaube, manche wären erst dann zufrieden, wenn schon der Strafprozess Teil der Strafe selbst wäre (schwarz-weiss-breit-gestreifte Gefängniskluft wie in 40er-Jahre-US-Filmen, Kette mit Eisenkugel um das Fussgelenk…)

    Alle, die den Prozess nicht als Strafverhandlung, sondern als eine Art „Wahrheitskommission“ sehen, werden ihre Erwartungen scheitern sehen.

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  4. Es sind 356 euro netto für den beigeordneten Nebenklagevertrer. Davon verbleiben großzügig geschätzt 25% Gewinn, also knapp 85 Euro pro verhandlungstag. Selbst wenn man noch ein abwesenheitsgeld hinzurechnet, lohnt sich das wirtschaftlich selbst dann nicht, wenn man die imense vorbereitungszeit ignoriert.

    Die Beistände können ihren laden praktisch zu machen oder vollständig umorganisieren. Einfach mal vorher informieren und nicht nachplappern, Herr Schälike.

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    • Mein Kommentar bezog sich nicht auf die Pflichtverteidiger (beigeordnete Nebenklägervertreter). Die € 600,- sind nicht aus der Luft gegriffen. Die Richtigkeit habe ich allerdings nicht überprüft.

      Wir werden es ja erleben, wie viele Verteidiger nur ab und zu zu den Verhandlungen erscheinen und wie viele das Ziel verfolgen werden, ihren Laden dicht zu machen, und deswegen bei jeder Verhandlung erscheinen.

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      • Es werden nur die beigeordneten Beistände aus der Staatskasse bezahlt. Da Sie auf den Einsatz von Steuergeldern abgezielt haben, kann es Ihnen also nur um diese gegangen sein.

        Wie Sie selbst feststellen, haben sie die Richtigkeit nicht überprüft, also doch aus der Luft gegriffen. Das heißt, Sie sprechen über Dinge, von denen Sie erklärtermaßen keine Ahnung haben. Ein Blick in das RVG würde da Abhilfe schaffen.

        Wenn es Ihnen nicht um die beigeordneten Beistände geht, was bezwecken Sie dann? Es kann Ihnen doch schlicht egal sein, wenn jemand für die Wahrnehmung seiner Rechte Geld ausgibt.

        Die Voraussetzungen zum Beitrit als Nebenkläger /in lassen sich auch zwanglos dem Gesetz entnehmen, § 395 StPO. Die Hürden hierfür sind recht hoch. Es laufen also nicht irgendwelche Anwälte und Anwältinnen rum und „suchen“ Nebenkläger /innen. Das ist Anwälten und Anwältinnen zudem berufsrechtlich verboten.

        Einige der Beistände sind mir persönlich bekannt. Diese haben seit der Beauftragung keine neuen Mandate angenommen und laufende Sachen soweit möglich abgegeben. Die Kollegen und Kolleginnen setzen sich unter großen wirtschaftlichen und persönlichen Entbehrungen dort ein.

        Nachdem ich mir Ihre Internetpräsenz angeschaut habe, scheint es Ihnen letztlich wohl nur um „Anwaltsbashing“ zu gehen.

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  5. Ja, mir geht es ums Anwaltsbashing, falls Sie das so bezeichnet haben möchten. Genauer, um die Rolle der Schwarzkittel, deren Abgehobenheit und Gefährlichkeit.

    Die Schwarzkittel tun nichts anderes als ihre Geschäftsinteressen mit ihrem Wissens-, Beziehungs- und Honorareintreibprivileg gegen die Interessen anderer und meist auch gegen die Interessen ihrer Mandanten zu vertreten. Ein Rechtsanwalt ist z.B. grundsätzlich auch dann für seine Dienstleistung zu honorieren, wenn er fehlerhaft gearbeitet hat. Viele Schwarzkittel kriminalisieren massenhaft biedere Bürger.

    Was die Kosten der Nebenkläger im NSU-Prozess betrifft, so werden wir das irgendwann erfahren. Brauchen uns nicht an dieser Stelle jetzt darüber zu streiten. Meine Informationen kamen aus einer qualifizierten Quelle. Brauchten deswegen trotzdem nicht zu stimmen.

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