Verkehrsrecht kann jeder …

… oder doch nicht? Der Mandant hatte 2011 einen Unfall. Er informiert die gegnerische Haftpflichtversicherung. Zunächst scheint alles klar: Man schickt einen Sachverständigen, der macht ein Gutachten und dann kann der Schaden reguliert werden. Das Sachverständigengutachten kommt zu Reparaturkosten von knapp 2.000.- €. So weit – so gut.

Doch dann geht der Ärger los: Die Versicherung ruft an: Man benötige noch ein Gutachten. Auch das wird erstellt – und siehe da: Der (selbe) Sachverständige bezweifelt jetzt die Schadenskompatibilität. Die tatsächlich unfallbedingten Reparaturkosten würden nur knapp 500.- € betragen – die auch gezahlt wurden.

Nun wird der Mandant unruhig und geht zum Anwalt. Der meint, man benötige ein eigenes Sachverständigengutachten, das der Mandant in Auftrag geben möge. Eine entsprechende Kostenübernahme habe seine Rechtsschutzversicherung allerdings zu Recht abgelehnt. Auch das wird erstellt und kommt zu ähnlichen Werten wie das erste Gutachten. Zur Schadenskompatibilität finden sich allerdings keine näheren Ausführungen, lediglich die Bemerkung, dass der Schaden „plausibel“ sei (was sich angesichts des Schadensbildes und der beteiligten Fahrzeuge nicht unbedingt erschließt). Auf dessen Basis erhebt der Kollege Klage – und verliert.

Das Gericht meint ebenfalls, der Kläger habe die bestrittene Schadenskompatibilität nicht bewiesen, mit den bereits gezahlten knapp 500.- € habe der Kläger bereits alles erhalten, was ihm zustünde.

Dumm gelaufen – dabei war doch schon sehr früh klar, wo die Reise hingeht: Das Problem war die Schadenskompatibilität. Da hilft ein normales DEKRA-Schadensgutachten (noch dazu als Parteigutachten) wenig. Richtig wäre ein unfallanalytischen Sachverständigengutachten im Rahmen eines gerichtlichen Beweisverfahrens gewesen – das die Rechtsschutzversicherung zudem problemlos gezahlt hätte, wenn man nur entsprechend bei der Rechtsschutzversicherung angefragt hätte. Dass diese nicht von sich aus auf diese Variante hingewiesen hat, war vielleicht nicht nett, ab er das ist eine andere Frage. Jetzt dürfte nicht mehr viel zu retten sein. 😥

Update Januar 2015: Alles wird gut! Das LG konnte überzeugt werden, ein wirklich kompetentes Sachverständigenbüro mit der Unfallrekonstruktion zu beauftragen – und siehe da: Die Schäden sind sämtlich kompatibel, man muss nur den richtigen Anstoßwinkel finden. Die Gegenseite erkannte schließlich an.

Die Kosten des Verfahrens von mehreren Tausend Euro überstiegen die Schadenshöhe um ein Mehrfaches – ohne RSV wäre das nicht zu riskieren gewesen.

JuraBlogs - Die Welt juristischer Blogs

2 Gedanken zu “Verkehrsrecht kann jeder …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s