Vorsicht Anwalt !

Die WELT „informiert“:

Ein arbeitsloser Anwalt, der er sich mit Gelegenheitsjobs durchschlug, u.a. als Stripper in Nachtclubs, dann aber bei einer Abo-Falle anheuerte und schließlich vom LG Hamburg zu einem Jahr Gefängnis mit Bewährung verurteilt wurde. Der (Ex?-)Kollege ist nach Meinung des Autors „ein schwarzes Schaf, und doch ist sein Fall symptomatisch“. Ach, wirklich? Aber der Autor weiß auch Schlimmes zu berichten:

Der Berufsstand ist zwar weiterhin ein Magnet für gute und sehr gute Juristen. In weit stärkerem Maß aber ist er zu einem Sammelbecken für schlechte Rechtsvertreter geworden. … Durchschnittlich 27 Prozent der Absolventen bestehen das zweite Examen mit „ausreichend“ und haben aufgrund des Überangebots von Juristen auf dem Markt keine Chance. Für rechtsuchende Bürger ist diese Gruppe zu einer Gefahr geworden.

Aha – also fragen Sie zuerst nach der Examensnote, bevor Sie derartigen juristischen Tieffliegern zum Opfer fallen! Und noch schlimmer:

Besonders gefährdet sind Rechtsuchende bei Berufsanfängern, älteren Kollegen, die mit der Modernisierung des Berufes nicht Schritt halten können, und Anwälten in Ein-Mann-Kanzleien. …Viele Neulinge starten als sogenannte Einzelanwälte. Bei der Anwaltschaft insgesamt liegt ihr Anteil nach empirischen Studien bei 55 Prozent.

Also so schon 55 % potentielle Pfeifen in der „Anwaltschaft insgesamt“, die Berufsanfänger und konservativen älteren Kollegen noch nicht gerechnet.

Und so geht die Anwalts-Hetze munter weiter, Allgemeinplätze, unbewiesene Behauptungen, pseudologische Argumentation etc. pp. Schon einem Allerwelts-Journalisten würde man einen derart tendenziösen Artikel wohl kaum nachsehen, aber einem promovierten Volljuristen und ehemaligem Assistenzprofessor für Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminologie an der FU Berlin? Aber es hat wohl seinen Grund, dass er offensichtlich inzwischen 35 Jahre nicht mehr in der Juristerei tätig ist und diese wohl nur noch vom Hörensagen her kennt. 😥

Die WELT findet dieses Blabla allerdings so toll, dass sie es gleich zwei Mal publiziert. Oder ist man am Verkauf des entsprechenden Buches beteiligt?

Kein Wunder, wenn Juristen Platz 6 der „depressiv machenden“ Jobs liegen. 😉

JuraBlogs - Die Welt juristischer Blogs

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2 Gedanken zu “Vorsicht Anwalt !

  1. Nun ja, wenn man mal nach !Anwalt wegen Untreue verurteilt“ googelt,findet man eine erschreckende Trefferanzahl quer durchs Bundesgebiet. Und auf der BGH-Seite findet man (nur, also bei weitem nicht alle…) auch haufenweise Entscheidungen des Anwaltssenats zum Widerruf der Zulassung , in der Regel wegen Vermögensverfalls.
    Fakt ist, dass es neben der Creme und dem einen oder anderen, der ein moderateres Examen hingelegt, aber dann seine Nische gefunden hat, einen großen Anteil an schlecht verdienenden, teils von lieben Kollegen wegen der notenbedingt schlechten Einstiegschancen auch noch ausgebeuteten Anwälten gibt, bei denen der Mandant doch ein gewisses Risiko eingeht.
    Die Anwaltschaft selbst hat sich schon öfter an Reformen des Referendariats versucht, meist mit dem Hintergrund, eine eigenständige Anwaltsausbildung mit entsprechenden Zulassungsschranken zu etablieren.
    Das Buch „Wie Sie Ihre Kanzlei vernichten, ohne es zu merken“ zeigt Fehlerquellen weitgehend außerhalb der formalen Qualifikation.

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  2. Das ist halt die alte Geschichte von ADAM und EVA … *)

    ADAM = Anwalt, der alles macht
    EVA = Ein vernünftiger Anwalt

    P.S. wer das Wortspiel verwenden möchte, darf mich gerne als dessen geistigen Urheber nennen…

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