Rainer Wendt – mal wieder oberpeinlich !

Renate Künast kommentierte die Ereignisse der letzten Nacht auf Twitter mit einer durchaus nicht abwegigen Frage:

„Wieso konnte der Angreifer nicht angriffsunfähig geschossen werden???? Fragen!“

Wie u.a. N24 berichtet, löste sie damit einen Shitstorm aus. Allen voran der Lautsprecher Vorsitzende der Polizeigewerkschaft Rainer Wendt. Er sagte, „der Vorgang werde akribisch von der Staatsanwaltschaft untersucht und dann werde ein Urteil gefällt.“ Soweit richtig, aber das reicht natürlich nicht.

In seiner bekannten Lautsprechermentalität muss Herr Wendt natürlich schon jetzt richtig draufhauen:

„Das ist eine ausgesprochen bescheuerte Frage, muss man wirklich sagen“, sagte Wendt N24. „Von ahnungslosen Politikern. Und das nervt eigentlich auch wirklich.“

„Die Frau Künast soll nicht so viele schlechte Kinofilme gucken. Wer glaubt, wenn einer mit Axt und Messer auf die Polizei losgeht, dann fangen wir an, dem das Beil aus der Hand zu schießen – das ist wirklich ahnungslos und dumm.“

„Da brauchen wir die parlamentarische Klugscheißerei überhaupt nicht“, sagte er in Richtung Künast. „Vielleicht sollte man Politikern grundsätzlich empfehlen, bei solchen Ereignissen 24 Stunden lang nicht zu twittern.“

Und Herrn Wendt sollte man grundsätzlich empfehlen, zunächst – sofern vorhanden – das Gehirn einzuschalten, bevor er wieder blind drauflos trötet.

Deutlich intelligenter kommt da laut FOCUS der Polizeiexperte Rafael Behr von der Akademie der Polizei in Hamburg rüber:

Die Polizei kann und muss sich rechtfertigen, wenn Menschen zu Schaden kommen.“ Trotz der Kritik an Renate Künast hält der Polizei-Experte es für richtig, dass wichtige Fragen zum Einsatzverlauf gestellt werden – wie es etwa bei den internen Ermittlungen geschieht. …

„Die Polizei kann und muss sich rechtfertigen, wenn Menschen zu Schaden kommen. Nur sollte dabei nicht schon im Vorfeld suggeriert werden, dass hinter dem Handeln handwerkliche Fehler stehen.“ Eine nüchterne Auseinandersetzung mit einem derartigen Vorfall steigere die Reputation der Polizei.

Eben – eine nüchterne Auseinandersetzung, und nicht so ein krawalliges Geschrei, wie es der Berufslautsprecher produziert. Ein SEK – also eine Gruppe von Profis – gegen einen Einzeltäter mit Axt und Messer – da wird man einen Todesschuss doch jedenfalls (ohne jeden Vorwurf) hinterfragen dürfen.

Aber das ist dem Herrn Wendt wohl zu hoch – oder hat er ein Problem mit der Rechtsstaatlichkeit? 😦

Ebenso peinlich allerdings, wenn dann der Herr Kollege „Medien- und Erdogan-anwalt“ Prof. Dr. Ralf Höcker, LL.M. noch polemisch in die selbe Kerbe haut: „Wann hört die Irre Künast endlich auf zu twittern?“, wie bei FOCUS nachzulesen ist. Zu behaupten, Frau Künast habe „Polizisten eines strafbaren Tötungsdelikts verdächtigt, ist schlicht albern, Herr Kollege! Stellen Sie sich einmal vor, z.B. die Blöd-Zeitung hätte ähnliches Herrn Kachelmann unterstellt. Da leuchten doch schon die Dollarzeichen in den Augen, oder? 😉

Ein paar objektivere Gedanken gibt’s bei LTO – zur Lektüre empfohlen.

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8 Gedanken zu “Rainer Wendt – mal wieder oberpeinlich !

  1. Aus meiner Sicht unnötige Aufregung bei Ihnen. 2 Anmerkungen zu dem Thema:

    1. ist es aus meiner Sicht extreme schlechter Stil von Fr.Künast mehr Bedauern über den Tod des Angreifers zu implizieren als über die Tat selbst.

    2. Es mag sie erstaunen, aber die Polizisten hatten wohl den Wunsch abends wieder nach Hause zu kommen. Einen mit Adrenalin vollgepumpten jungen Mann der mit Axt und Messer auf einen Polizisten zustürmt zu stoppen wenn er nur noch 10m entfernt ist (beide Waffen können übrigens aus dieser Entfernung auch erfolgreichh geworfen warden) bedeutet, daß er -so das der Polizist mit allen Gliedmaßen nach Hause kommt- innerhalb der nächsten 3-4m erfolgreich gestoppt werden muß. Leider sind Polizisten nicht solche Helden wie Sie die vielleicht aus amerikanischen Action- und Westernfilmen kennen, die die Bösen durch einen gut gezielten Schuß so verletzen, daß selbst das im Körper des Angreifers ausgeschüttete Adrenalin es nicht mehr schafft die Schmerzen zu überdecken. Aber ich bin sicher, daß ein Rechtsanwalt hier in Deutschland schafft den Richter zu überzeugen das der Ärmste von den SEK Beamten nur falsch verstanden wurde . Ich könnte da den einen oder anderen empfehlen aber die kennen Sie sicher besser als ich. Und bevor Sie jetzt Vermutungen über meinen Beruf oder meine Einstellungen Vermutungen anstellen: Nein, ich bin weder im deutschen Rechtswesen noch bei anderen staatlichen Institutionen angestellt oder verbeamtet, noch bin ich AFD Wähler 😉

    Tom

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    • 1. Keinen Aufregung, allenfalls Ärger über (gewollte ?) Missverständnisse und den Krakeeler von der DPolG.

      2. Dass Fr. Künast mehr Bedauern über den Tod des Angreifers als über die Tat selbst zum Ausdruck bringt, kann ich ihrem Tweet gerade nicht entnehmen.

      3. Der natürliche Überlebenstrieb von Polizisten erstaunt mich überhaupt nicht – und entgegen Ihrer Vermutung kritisiere ich (mangels Kenntnis der Umstände) den Todesschuss auch nicht, sondern stelle – wie Frau Künast auch – allenfalls eine Frage, die jetzt auch anderenorts geprüft wird. Dazu braucht’s aber keinen Shitstorm der gehabten Art – und kein Gequake von „Medienanwälten“.

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  2. LiKo Melchior,

    ähnliche Überlegungen wie Frau Künast wird auch die Staatsanwaltschaft anstellen müssen:

    http://rabohledotcom.wordpress.com/2016/07/19/der-finale-rettungsschuss/

    Es ist weiter bezeichend, wie genau Kommentarschreiber über das Geschehen und des tatsächlichen Ablaufes informiert sind. Von „Losstürmen“ bis „Bedauern des Toten“ ist die Rede … aber wo bitte wurde das jemals geschrieben?

    Die von Frau Künast (und dem Staatsanwalt) gestelle Frage in sachlicher Form rechtfertigt weder die Reaktion des nicht vor Ort gewesenen Gewerkschaftsvorsitzenden noch den deruzeitigen Shitstorm.

    Solche Fragen sind zulässig und sollten erwünscht sein.

    MfkG

    RA Thomas Bohle

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  3. Tja, so funktioniert halt das Geschäft. Wenn Sie die Äußerungen als „polemisch“ bezeichnen, bewerten Sie in vergleichbarerweise die Äußerung, wie auch Hr. Wendt die Äußerung von Fr. Künast bewertet hat. Verstehe nicht so recht, was da „peinlich“ dran sein soll – das nennt man Meinungsfreiheit. Wenn Sie sich über die freie Meinungsäußerung (er ist ja kilometerweit weg von Schmähkritik) derart lustigmachen, wird niemandem geholfen.
    Außerdem halte ich es tatsächlich für grenzwertig, wenn unmittelbar nach einem Attentat – versuchter Mord! – eine Politikerin das polizeiliche Handeln in Frage stellt. Das ist schon etwas kindisch, anstatt erstmal abzuwarten oder zu fragen, was eigentlich genau passiert ist. Hätten die ihn nicht erschossen und er wäre weitergerannt und hätte weitere Opfer abgestochen, was hätte man dann gesagt? Wir waren alle nicht dabei, und können daher nicht einschätzen, wie bedrohlich oder unnötig die Situation war.

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  4. Pingback: Dem Kollegen Melchior schließe ich mich an. Lesenswert. | Rechtsanwalt F. Klytta

  5. Die Frage der Frau Künast, warum die Person nicht kampfunfähig gemacht werden konnte, impliziert, dass diese Möglichkeit bestand.
    Das ist bereits eine Bewertung des Geschehens, das der Öffentlichkeit im Detail nicht bekannt ist.
    Möglicherweise weiss Frau Künast genau, wie es sich abgespielt hat. Dann kann der von ihr gewählte Ansatz in Ordnung sein.
    Wenn Sie allerdings nicht mehr wusste als die Öffentlichkeit, sollte sie meiner Meinung nach als Spitzenpolitikerin jedenfalls in den ersten Momenten nach der Tat sehr zurückhaltend mit Äußerungen umgehen, die auch eine inhaltliche Aussage beinhalten.
    Und ja, auch ich verstehe den tweet so, dass Bedauern über den Tod des Angreifers zum Ausdruck kommt aber kein ebensolches über die Opfer in dem Zug oder die Spaziergänger.
    Jedenfalls insoweit war Frau Künast zurückhaltend, als sie nicht die Frage stellte, warum denn keiner der Angegriffenen in der Lage war, den Täter aufzuhalten.

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    • Ja, solche schrägen Interpretationen sind dann Grund für den medialen Alarm. Künasts Frage „impliziert“ keine Möglichkeit, sondern fragt nach dieser.

      Und nein, Frau Künast hatte eben so wenig Detailkenntnisse wie Lautsprecher Wendt. Allein bekannt war die Tatsache, dass ein (aus mehreren Personen bestehendes) SEK – alles voll ausgebildete Profis – einem 17-jährigen mit Axt und Messer gegenüberstand. Da darf man sich (und andere) fragen, ob es Alternativen zu tödlichen Schüssen gab – und zwar ohne damit die zu Unrecht hineininterpretierte konkrete Möglichkeit zu behaupten.

      Und schließlich, besagter Tweet begann mit den Worten: „Tragisch und wir hoffen für die Verletzten“. Erst dann kam die Frage, wieso der Angreifer nicht angriffsunfähig geschossen werden konnte – die keineswegs notwendig als „Bedauern über den Tod des Angreifers“ interpretiert werden muss.

      Ob es allerdings (insbesondere für Politiker, die ernst genommen werden wollen) wirklich sinnvoll ist, immer gleich via Twitter etc. herumzuposten, ist eine andere Frage.

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