Alkohol nur noch für Autofahrer

Provokante Überschrift? Mag sein, aber in Bayern auch Realität, wie bei LTO nachzulesen ist:

… im Freistaat gilt seit Juni: Nach Ladenschluss gibt es Alkohol nur noch in kleinen Mengen – und nur für Autofahrer. …

Es liegt auf der Hand, dass man sehr unterschiedlicher Ansichten darüber sein kann, was eine „kleinere Menge“ ist. Um eine einheitliche Auslegung zu erreichen, hat das Arbeitsministerium die genannten Vollzugshinweise erlassen. Nur noch zwei Liter Bier oder eine Flasche Wein dürfen danach pro Person verkauft werden, Hochprozentiges gibt es nur noch in Kleinstmengen (0,1 Liter pro Person).

Zwei Liter Bier pro Person? Bayerns Ex-Ministerpräsi Günther Beckstein lässt grüßen, oder? Der meinte bekanntlich: „Wenn man die zwei Maß in sechs, sieben Stunden auf dem Oktoberfest trinkt, ist Autofahren noch möglich.“

Naja, bei dem üblichen Füllstand sind zwei Maß ja auch nur allenfalls 1 Liter netto. 😉

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Besoffen zu Hause – Fahrerlaubnis weg

straffrei-mobil.de berichtet über eine doch einigermaßen befremdende Entscheidung des VG Berlin (Az.: VG 27 A 396.02).:

Führerscheinverlust droht nicht nur Verkehrsteilnehmern
Einer Frau wurde nach einer Trunkenheitsfahrt wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr die Fahrerlaubnis entzogen. Nach der Teilnahme an einem Kursus zur Wiederherstellung der Kraftfahreignung wurde ihr die Fahrerlaubnis der Klassen BE, M und L wieder erteilt. Gut zwei Jahre nach der Trunkenheitsfahrt wurde die Frau wegen eines Brandverdachts von Polizei und Feuerwehr in ihrer Wohnung aufgesucht und – nach Einschätzung der Polizeibeamten – in stark alkoholisiertem Zustand angetroffen. Das Landeseinwohneramt forderte sie daraufhin auf ein medizinisch-psychologisches Gutachten (MPU) zur Beantwortung der Frage vorzulegen, ob Alkoholmissbrauch bestehe. Ein entsprechendes Gutachten wurde erstellt, allerdings von der Frau nicht vorgelegt. Daraufhin entzog das Landeseinwohneramt ihr wegen fehlender Mitwirkung die Fahrerlaubnis.

Das VG billigte die Entscheidung der Behörde. Der dagegen klagenden Frau sei die Fahrerlaubnis zu Recht entzogen worden. Die Nichtbeibringen eines rechtmäßig geforderten Gutachtens erlaube die Schlussfolgerung, dass die Klägerin zum Führen von Kraftfahrzeugen ungeeignet sei. Dabei sei es unerheblich, dass der Vorfall in der Wohnung in keinem Zusammenhang mit dem Straßenverkehr gestanden habe. Der die Anforderung des Gutachtens rechtfertigende Bezug zum Straßenverkehr liege schon wegen der begangenen Trunkenheitsfahrt vor.

Dass die Dame das MPU-Gutachten nicht vorlegte, mag sicherlich seine erahnbaren Gründe haben, dennoch bleibt ein übler Nachgeschmack:

Wer also früher einmal wegen Trunkenheit im Verkehr aufgefallen ist und Jahre später besoffen außerhalb desselben angetroffen wird, muss mit Entzug seiner (wiedererteilten) Fahrerlaubnis rechnen.

Und selbst wenn die MPU positiv verlaufen wäre: Die Dame wäre immerhin auf deren Kosten von einigen Hundert Teuro sitzen geblieben.