Erst Discounter, dann durchgeknallt?

Ein Komikerllege, der vor einiger Zeit offensichtlich die Aldisierung des Anwaltsmarktes plante (wovon man dann nicht mehr viel gehört hat), setzt jetzt noch einen drauf: „Als Deutschlands erste Anwaltskanzlei“ will der Kollege „geschäftsmäßig kostenlose Kanzleiberatung für Jedermann“ anbieten

Unter „AnwaltskanzleiKostenlos“ erhält der Mandant klassische Kanzleiberatung im Sinn des § 34 Rechtsanwaltsvergütungsgesetz zum Nulltarif. Ziel der wohltätigen Rechtsberatung ist eine gerechtere Gesellschaft und eine juristische Waffengleichheit zwischen Arm und Reich.

Das Ergebnis dürfte allerdings ein anderes sein. 😉

Und als Bonbon soll dann auch noch „Anwaltsleaks“ in’s Leben gerufen werden:

Nach dem Vorbild von „Wikileaks“ machen wir Mißstände in der Branche und „Schwarze Schafe“ anhand von Originaldokumenten für die Öffentlichkeit transparent. Informieren Sie uns als „Whistleblower“ über illegale, irreguläre, illegitime oder unethische Praktiken und Zustände.

Die Befürchtung des Kollegen Nebgen, dass damit ein Berufsstand weiter der Lächerlichkeit preisgegeben wird, teile ich allerdings nicht. Das staunende Publikum dürfte – jedenfalls weitestgehend – zwischen Komikern und Koryphäen unterscheiden können. Und so dürften auch diese Projekte scheitern, ob nun durch Entziehung der Zulassung, wie sie der Kollege Krause schon fordert oder aus anderen handfesten Gründen. 😉

JuraBlogs - Die Welt juristischer Blogs

Akteneinsichtsdiscounter?

ermittlungsakte24.de präsentiert ein tolles (?) Angebot:

Fordern Sie Ihre Ermittlungsakte zum Pauschalpreis von nur 39.- Euro bei uns an. Sie erhalten die Akte bequem per E-Mail als pdf-Dokument zugeschickt.

Dazu gibt es folgende Zusage:

Weitere Kosten als die 39,00 EUR, die die Anforderung der Ermittlungsakte bei uns pauschal kostet, können nicht entstehen und zwar ganz gleich wie groß die Akte ist. Der Preis gilt also bei 30 Blatt genauso wie bei 3000 Blatt!

Sieht man sich allerdings die hierfür auszufüllenden Formularvollmacht an, wird schnell klar, dass es offensichtlich nur um Akten in Verkehrsunfallsachen geht, die meist geringeren Umfangs sind. Schade eigentlich! Ansonsten hätte man in Strafsachen nett zusammenarbeiten können. 😉

Aber die Firma hat noch mehr tolle Angebote, dazu später mehr.

JuraBlogs - Die Welt juristischer Blogs

Noch ‘ne Discountidee ?

Heutzutage gibt’s es ja für alles und jenes Wertmarken oder Gutscheine, jetzt also auch für außergerichtliches Anwaltsinkasso – die „Anwaltsmarke“:

Die Anwaltsmarke ist denkbar einfach:
Service bestellen und Anwaltsmarken erhalten
Eine Anwaltsmarke wie eine Briefmarke auf jede angemahnte Rechnung kleben
Rechnung(en) faxen an 06… (bei der ersten Marke Anwaltsvollmacht unterschrieben beifügen)
Um den Rest kümmern sich die Anwaltsmarke.de-Vertragsanwälte.

Transparenter und günstiger geht es kaum. Den Anwaltsmarke.de Service gibt es ab einem Festpreis von nur 24,90 €* pro außergerichtlicher Forderungsbeitreibung – egal wie hoch die Forderung ist, auch bei höheren Streitwerten von über 10.000,- €.

Klingt doch toll, oder? ABER:

* Bitte beachten Sie, dass Anwaltsmarke.de selbst keine Rechtsberatung erbringt und Ihnen einen Rechtsanwalt/Rechtsanwältin vermittelt, der/die mit Anwaltsmarke.de eine Vereinbarung geschlossen hat und die Anwaltsmarke.de Wertmarken als Bezahlung für seine außergerichtlichen Aktivitäten akzeptiert.

Ja, nee, ist klar! „Anwaltsmarke.de-Vertragsanwälte“, die für schlappe 25.- € Forderungsmandate übernehmen, „egal wie hoch die Forderung ist, auch bei höheren Streitwerten von über 10.000,- €“, finden sich sicherlich an jeder Ecke, oder?

JuraBlogs - Die Welt juristischer Blogs

Milchmädchenrechnung

Ein Kasper Kollege, der auszog, den Anwaltsmarkt zu aldisieren, gab in der NJW zu der Frage, wie er auf den Stundensatz von 36 Euro gekommen ist, Folgendes zum Besten:

Für unser Unternehmensziel „höchstmögliche Qualität zum tiefstmöglichen Preis“ mussten wir zunächst unsere Fixkosten auf das Unverzichtbare beschränken. Unverzichtbar für den Anwaltsberuf sind jährlich der Kammerbeitrag von 160 Euro und die Berufshaftpflichtversicherung von 800 Euro. Bei 1800 abrechenbaren Stunden im Jahr ergeben sich unverzichtbare Fixkosten pro Anwaltsstunde von weit unter einem Euro! Nach der Formel „Preis = Kosten + Gewinn“ war nun der Gewinn bzw. Verdienst festzulegen. Der Stundenverdienst betrug 2006 laut einer Studie des Instituts für freie Berufe 15 bis 20 Euro bei angestellten, und 20 bis 28 Euro bei selbstständigen Anwälten. lm Vergleich dazu hielten wir einen Stundenverdienst von knapp 36 Euro für unsere Anwälte für mehr als angemessen.

Ja, nee, is klar – mehr Fixkosten als Kammerbeitrag und Berufshaftpflichtversicherung haben wir ja auch nicht. Wer zahlt denn schon für Kanzleimiete, Verbrauchsmaterial, Bücher, PKW, Krankenversicherung, sonstige Versicherungen, Computer, Post- und Telekomentgelte, Fortbildung etc. pp. – von Personalkosten ganz zu schweigen. :no:

JuraBlogs - Die Welt juristischer Blogs