Erst Dschungelcamp, dann Wetten, dass …

Wie bei Stern.de nachzulesen ist, findet Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit Gerüchte über „Verbindungen“ zwischen ihm und der Dschungelcamp-Queen Olivia Jones nicht wirklich witzig. Unter der Überschrift „Wowereit leitet rechtliche Schritte ein“ heißt es (etwas abschwächend): „Ein Senatssprecher bestätigte auf Anfrage von stern.de, dass der SPD-Politiker rechtliche Schritte gegen die Äußerungen im Dschungelcamp und ihre Verbreitung prüft.“

Wetten, dass das dann ganz gewaltig nach hinten losgeht? 😉

Und Übrigens: Hat Wowi eigentlich keine anderen Sorgen?

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Oh Herr, wirf Hirn vom Himmel …

… ein bekannter Stoßseufzer, an den die derzeit recht munter diskutierten Ausflüge des angeblichen Stellvertreters des Erstgenannten in die schnöde Juristerei erinnern.

„Wir sind Streisand„, könnte man auch in Anlehnung an ein bekanntes Zitat einer noch bekannteren Boulevardzeitung titeln.

Und schließlich: Das Internet vergisst bekanntlich nichts, aller Juristerei zum Trotz.

Was soll das also? Ob dieses Abenteuer vielleicht auch noch zu Lasten der Kirchensteuerzahler geht?

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Eigentore mit Anlauf

Irgendwie werde ich es nie verstehen, dass Promis anscheinend gerne Verfahren lostreten lassen (oft von einer Kanzlei, deren führender Name wie ein Synonym für Witz klingt), die dann regelmäßig kräftig nach hinten losgehen – jedenfalls unter dem Gesichtspunkt des angeblich verfolgten Interesses der Mandantschaft an Persönlichkeitsschutz. Das jüngste Beispiel findet sich bei dem Kollegen Kompa, der fairerweise den Namen des Betroffenen nicht nennt 😉 (nein, weder dessen Vor- noch Nachname beginnen mit „A“). 😉

Der Streisand-Effekt sollte doch zumindest diesen „Medienrechtlern“ bestens bekannt sein. Daher würde ich es für gute Beratung halten, den Mandanten von dem einen oder anderen Verfahren eher abzuraten, um nicht gerade diese Effekt auszulösen. Aber ich vertrete ja auch nicht „zahlreiche Personen des öffentlichen Lebens wie z. B. Künstler, Unternehmer, Sportler und Politiker in sämtlichen rechtlichen Angelegenheiten“ und „darüber hinaus … regelmäßig Privatpersonen, die unerlaubt Gegenstand von Medien-Berichterstattung geworden sind. Muss ich also wohl auch nicht verstehen.

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Und ewig grüßt die Streisand

Wenn man sich schon blamiert, dann auch richtig, zu beobachten in der Blöd-Zeitung (genau das richtige Forum, um jemanden so richtig öffentlich bloßzustellen):

Am Mittwochabend sahen 7,37 Millionen Zuschauer, wie Marcel Finette (18) mit nassem Fleck auf der Hose vor Dieter Bohlen (55) und Co. sang. Der nervöse Marcel sang „Ave Maria“ – und als ob der Fleck nicht schon peinlich genug wäre, hackte auch noch Bohlen auf ihm herum: „Wir hatten schon viel. Aber dass sich jemand in die Hose pinkelt, noch nicht.“

Marcels Vater Udo Finette (38) will die Angelegenheit so nicht stehen lassen. Der Tätowierer zu BILD.de: „Am Freitag bin ich beim Anwalt und dann klage ich gegen Bohlen und RTL. Ich setzte Himmel und Hölle in Bewegung.“

… womit nun auch der Rest der Republik von diesem peinlichen Auftritt bei DSDS erfährt. Was hat der Mann nur gegen seinen Sohn? Dass eine Klage „gegen Bohlen und RTL“ mangels Rechtsgrundlage tatsächlich wohl kaum erhoben und noch weniger erfolgreich sein wird, sei mal dahingestellt.

Nadja B. – Alles nur ein Scher(t)z?

Nadja B., Nadja B. ? Ach ja, die Nadja B., deren kurzfristiger Aufenthalt in der U-Haft einige Tage heftiges Rauschen im Medienwald erzeugte und der Medienrechtler anscheinend mehr beschäftigte als Strafrechtler, gibt jedenfalls medienrechtlich klein bei, wie u.a. fr-online berichtet:

Die No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa will zunächst nicht mehr gegen Veröffentlichungen über ihre angebliche HIV-Infektion vorgehen. Die Popsängerin habe am Mittwoch ihre ursprünglichen Anträge auf Erlass von zwei einstweiligen Verfügungen zurückgenommen, teilte eine Sprecherin des Berliner Landgerichtes mit. Diese waren gegen das Medienhaus Axel Springer („Bild“, „Die Welt“) gerichtet.

Hintergrund des Verfahrens war ein in der „Bild“-Zeitung am 14. April 2009 veröffentlichter Artikel, in dem brisante Details zur Festnahme der Sängerin abgedruckt waren. Der Anwalt der 27-Jährigen sah darin die Persönlichkeitsrechte seiner Mandantin verletzt und hatte daraufhin eine Einstweilige Verfügung gegen den Verlag Axel Springer erwirkt. Dem Zeitungsverlag wurde damit untersagt, über „ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung und/oder den Gegenstand der Untersuchungshaft zu berichten“. Der Verlag hatte Rechtsmittel gegen den Gerichtsbeschluss eingelegt.

Der Anwalt Christian Schertz nannte „strategische Gründe“ für den Rückzug. Seine Mandantin wolle aber weiterhin keine Berichte akzeptieren, die ihre Persönlichkeitsrechte verletzen. Gegen mehrere Medien habe er bereits weitere einstweilige Verfügungen gegen bestimmte Aspekte der Berichterstattung erwirkt.

„Strategische Gründe“?? Oder eher die wohl berechtigte Befürchtung, im Hauptsacheverfahren gnadenlos durchzufallen? Peinlicher kann ein Rückzugsgefecht eines Anwalts, dem anscheinend der sog. Streisand-Effekt entweder völlig unbekannt oder aber egal ist, wohl kaum ausfallen.

Tron – oder: Marketing by law ?

Zur Zeit geistert eine skurrile Geschichte durch Medien und Internet: Die Eltern des 1999 unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommenen Hackers mit dem Pseudonym „Tron“ haben eine Einstweilige Verfügung gegen die Internet-Enzyklopädie Wikipedia erwirkt:

Dem Antragsgegner wird es […] untersagt, die Internetadresse wikipedia.de auf die Internetadresse de.wikipedia.org weiterzuleiten, solange unter der Internetadresse de.wikipedia.org ein Beitrag vorgehalten wird, der den bürgerlichen Nachnamen des Sohnes der Antragsteller nennt.

Grund hierfür war, dass Wikipedia den vollständigen bürgerlichen Namen von „Tron“ veröffentlich hatte. Dieses hielten die Eltern aus mehreren Gründen für untragbar bzw. unzulässig, näheres siehe z.B. hier:

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzkultur/0,1518,394374,00.html“

Ohne auf diese Gründe näher eingehen zu wollen – über sechs Jahre nach seinem Tod hätten wohl nur noch Insider (die seinen richtigen Namen wohl ohnehin kennen), an „Tron“ gedacht nicht aber die breite Öffentlichkeit. Diese wird nun durch den Medienwirbel geradezu herausgefordert, sich für den vollständigen Namen von „Tron“ zu interessieren – und findet diesen ohne jede Schwierigkeit an diversen Stellen im Internet bzw. durch direkte Eingabe der Internetadresse, auf die nicht mehr weitergeleitet werden durfte.

Abgesehen davon, dass die Einstweilige Verfügung wohl keinen Bestand haben wird (s . http://www.wikipedia.de ) – mit dem Medienwirbel haben die Eltern von „Tron“ jedenfalls das geschafft, was sie angeblich gerade verhindern wollten: jeder, der es bisher noch nicht wusste, aus welchen Gründen auch immer es aber wissen wollte – kennt jetzt den bürgerlichen Namen von „Tron“. Ein absolut vorhersehbares Ergebnis dieser Veranstaltung – sieht also eher nach einer Werbekampagne aus, für was auch immer. Ist doch toll, welchen Marketing-Effekt man mit einem kleinen Gerichtsverfahren erzeugen kann, oder :D?